Montag, 6. Jänner 2003

"Liz" Görgl auf den Spuren der berühmten Mutter

  • Tochter von Traudl Hecher fuhr erstmals aufs Slalom-Podest
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Gäbe es da nicht die überragende Janica Kostelic, Österreich hätte über eine neue Sensationssiegerin im Ski-Weltcup jubeln können. Elisabeth Görgl, 21-jährige Steirerin aus Kapfenberg, fuhr im Slalom von Bormio mit Nummer 40 auf Platz zwei, noch vor der schwedischen Weltmeisterin Anja Pärson und damit mitten in die Weltklasse. Die Tochter der zweimaligen Olympia-Dritten Traudl Hecher und Schwester des ÖSV-Abfahrers Stephan Görgl ist damit endlich dort, wo sie ohne ihre drei Kreuzbandrisse wohl schon längst gewesen wäre.

Die berühmte Mutter kommt aus Tirol, geboren ist "Liz" wie Görgl am Liebsten gerufen wird, in Bruck an der Mur, aufgewachsen in Kapfenberg-Parschlug, seit über einem Jahr wohnt die Stams-Maturantin und HSZ-Zeitsoldatin zusammen mit Bruder Stephan in einem Innsbrucker Appartement "wie ein altes Ehepaar", wie Elisabeth lachend gesteht. "Auch wenn das Putzen meist auf mich zurück fällt." Mit 16 bzw. 17 Jahren haben sie Kreuzbandrisse zurück geworfen, nach zwei verletzungsfreien Jahren und dem Weltcup-Debüt im März 2000 erwischte es im Februar vor zwei Jahren noch ein Mal.

Doch seitdem ist sie verletzungsfrei, prompt geht es steil bergauf. Im Europacup führt sie die Slalom- und Gesamtwertung an, gut möglich, dass sie nach den bisherigen Saisonergebnissen den Europacup-Freiplatz aber gar nicht mehr benötigt. Spätestens seit Bormio gilt Görgl neben Marlies Schild, Sabine Egger und Nicole Hosp als heiße Kandidatin für das Slalom-WM-Team in St. Moritz.

Unpünktlichkeit als "wirkliche" Schwäche
Für viele ist das eine logische Entwicklung, gilt Elisabeth Görgl doch als äußerst entschlossen und ehrgeizig, manchmal fast schon egozentrisch. "Meine wirkliche Schwäche ist aber die Unpünktlichkeit", gesteht Görgl selbst. Bestes Beispiel: Zehn Minuten vor ihrem Maturatermin hatte sie einen (unverschuldeten) Autounfall, die anschließende Prüfung bestand sie aber mit Bravour.

Ähnliche Einstellung wie Kostelic
Von der Mutter hat sie zweifellos das Talent, die Entscheidung für eine Ski-Karriere hat sie aber wie ihr Bruder selbst gefällt. Auch wenn sie mit zehn Jahren bei einem Kinderrennen gemeint hatte, "dereinst Olympiasiegern werden zu wollen", erinnert sich Görgl heute lachend. "Sie tut immer was sie will", so Traudl Hecher über ihre Tochter. Einzige Einschränkung: "Ich hoffe, dass sie nicht wieder auf die schnellen Disziplinen abfährt, das ist zu riskant. Aber auch das muss Elisabeth selbst entscheiden." Görgls persönliches Erfolgsgeheimnis: "Ich versuche einfach, die Trainingsleistung umzusetzen. Denn im Rennen sind 90 Prozent meist schon gut genug für eine gute Zeit." Eine Einstellung, die frappant an jene von Janica Kostelic erinnert.

Bei Carina Raich kriselt es
Die Umsetzung der Trainingsleistung ins Rennen ist derzeit das ganz große Problem von Christine Sponring. Die vor zwei Jahren wie nun Görgl und Hosp als neuer Shooting-Star gefeierte Tirolerin ist trotz Mentalcoaching in Bormio zum vierten Mal ausgeschieden. Damenchef Herbert Mandl macht sich aber um Sponring ("die schafft das schon") weniger Sorgen als um Benni Raichs Schwester Carina, bei der es mittlerweile auch im Training kriselt. "Gut möglich, dass einige bereits ihre Felle für die WM davon schwimmen sehen", mutmaßt Mandl.

Lange Pause
Die lange Pause durch die Absage der Weltcup-Rennen in Innsbruck könnte da genau richtig kommen. Die ÖSV-Damen trainieren bis Mittwoch am WM-Schauplatz St. Moritz bei perfekten Bedingungen und können so auch die WM-Pisten noch einmal beschnuppern. Die jüngeren Läuferinnen werden die Pause mit FIS-Riesentorläufen in Spital am Semmering (9./10.1.) bzw. bei diversen FIS- und Europacuprennen überbrücken, Dorfmeister, Meissnitzer, Götschl usw. bleiben bis Mittwoch in St. Moritz und werden danach in Österreich Super G trainieren. Die nächsten Rennen in Cortina (17.-19.1.) sind zwar noch nicht bestätigt, sollten aber programmgemäß stattfinden.

6.1.2003 14:47