Donnerstag, 9. Jänner 2003

US-Szenario eines Irak-Angriffs sieht 4 Phasen vor

  • Nie gesehene Cruise Missiles- und Bomben-Attacke

Truppenaufmärsche, Einberufung von Reservisten, Kriegsrhetorik. Ein von den USA und Großbritannien geführter Militäreinsatz gegen den Irak steht wohl unmittelbar bevor. Der Angriffs könnte laut der englischen Tageszeitung "The Guardian" in vier Phasen ablaufen - beginnend mit einem gewaltigen Bombenhagel auf das Zweistromland.

PHASE 1: "Der Krieg wird mit einem großen Knall anfangen", zitierte der "Observer" einen britischen Regierungsbeamten. Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit werde dabei regelrecht "überfahren". Mit 3.000 Bomben und Raketen in den ersten 48 Stunden solle die Moral der irakischen Truppen gebrochen und die Führung in Bagdad überrascht werden, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf das Pentagon.

PHASE 2: Die Regionen im Norden, Westen und Süden des Irak sollen rasch erobert werden, um dort Stützpunkte zu errichten. Von dort sollen die Truppen weiter in das Land vordringen. Andererseits könnten damit auch die Stützpunkte in den Nachbarländern entlastet werden. Mit Rückendeckung der Air Force sollen Einheiten von den Schiffen und den Basen in den Nachbarländern aus die notwendige Logistik ins Land schaffen und Lager errichten.

PHASE 3: Diese sieht einen Truppenvorstoß vom Norden aus auf die wichtige irakische Basis Tikrit vor. Im Westen versuchen Einheiten auf dem Weg nach Bagdad die mutmaßlichen Waffenfabriken in Al Quaim und Al Fallujah zu sichern. Im Süden überqueren Truppen über mobile Behelfsbrücken Euphrat und Tigris und dringen nach Bagdad vor. Die Hauptstadt wird von der "republikanischen Garde" kontrolliert, die Saddam Hussein loyal ergeben ist.

PHASE 4: Die Supermacht stellt sich auf eine längere Besatzungszeit ein, doch soll sie möglichst kürzer sein als in den geschlagenen Ländern Deutschland und Japan. Die Rede ist von mindestens 18 Monaten. Allerdings hängt alles davon ab, ob die Iraker die neuen Herren friedlich oder feindselig empfangen. US-Beamte betonten, dass im Irak das Chaos und die Rivalitäten vermieden werden sollten, die nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan an der Tagesordnung sind. Washington wolle auch die Kontrolle behalten, solange noch nach Massenvernichtungswaffen gesucht werde.

Ein "großer Zampano" in US-Uniform war in der ersten Planungsphase durchaus erwogen, doch dann wegen erwarteter heftiger Kritik aus dem arabischen Lager aufgegeben worden. Washington will nun dem Militärbefehlshaber einen zivilen Chefadministrator - möglicherweise von den Vereinten Nationen ernannt - zur Seite stellen. Zumindest in der Anfangsphase wird jedoch der Soldat aus Sicherheitsgründen der starke Mann sein.

Erst nach und nach soll die Macht nach dem jetzigen Planungsstand in irakische Hände zurückgegeben werden. Die Idee, sofort eine Übergangsregierung zu formen, wurde verworfen, weil die irakische Exil-Opposition und ihr Ansehen in der Bevölkerung sehr skeptisch eingeschätzt werden. Die Opposition arbeitet unterdessen an Plänen für eine föderalistische Regierung mit Vertretern aller ethnischen Gruppen. Der vorgesehene Kurs ist gleichbedeutend mit dem Eingeständnis Washingtons, dass seine bisherige Absage an eine direkte Beteiligung am Aufbau eines "neuen Landes", das so genannte Nation building, der Wirklichkeit nicht standhält.

9.1.2003 09:06