Sonntag, 12. Jänner 2003

El-Kaida-Mitglieder bleiben in deutscher Haft

  • Jemenit angeblich auch in Anschlag auf "USS-Cole" verstrickt

Die beiden am Freitag in Frankfurt festgenommenen mutmaßlichen El-Kaida-Mitglieder aus Jemen bleiben vorerst in Deutschland in Haft. Wie der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Job Tilmann, am Wochenende mitteilte, wurde gegen die beiden auf Bitten der USA festgenommenen Männer eine Festhalteanordnung erlassen. Das Oberlandesgericht Frankfurt müsse nun in den nächsten Tagen über einen Auslieferungshaftbefehl entscheiden.

Einer der beiden Männer, der 54-jährige Mohammed Ali Hassan Scheik El Mojad, soll Berichten zufolge für Osama Bin Laden die Finanzen verwaltet haben. Nach Angaben des ZDF soll er zudem mitverantwortlich für den Anschlag auf das US-Kriegsschiff "USS-Cole" sein.

Im Zuge des Erlasses der Festhalteanordnung wurde die Identität der beiden Männer aus dem Jemen festgestellt. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen handelt es sich neben El Mojad um den 30-jährigen Jahja Sajed. Beide wurden am Samstag in eine hessische Justizvollzugsanstalt überstellt. Auch der Jemen verlangte die Auslieferung der Männer, wie die Nachrichtenagentur SABA unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter des jemenitischen Außenministeriums berichtete. Beide waren am Freitag aufgrund eines Rechtshilfeersuchens der USA zum Zwecke der Auslieferung in einem Hotel am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Nach Angaben des deutschen Justizministeriums fehlt nun aber noch ein formelles Auslieferungsersuchen der Amerikaner.

Die jemenitische Oppositionspartei El Islah beauftragte nach eigenen Angaben einen deutschen Anwalt mit der Verteidigung der beiden Männer. Die Führung der islamischen Partei werde die Angelegenheit gemeinsam mit der Regierung und dem Außenministerium in Sanaa verfolgen, sagte Hammud Hashem El Dharahi von deren Politbüro der Nachrichtenagentur AFP.

Nach dem ZDF-Bericht war El Mojad ein enger Vertrauter des regionalen El-Kaida-Operationschefs am Persischen Golf, Abd el Rashim El Nashiri, der im November von US-Ermittlern festgenommen worden war. El Nashiri soll Drahtzieher des Anschlags auf die "USS Cole" gewesen sein, bei dem im Oktober 2000 in Jemen 17 amerikanische Seeleute ums Leben kamen.

Wie das Magazin "Focus" unter Berufung auf US-Regierungskreise berichtete, gilt El Mojad nicht nur als hochrangiger El-Kaida-Anhänger, sondern auch als "Hauptunterstützer" der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas. Gegen Jahja Sajed hätten die USA hingegen bisher keinen konkreten Tatvorwurf. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Spiegel" liegen den deutschen Behörden keine eigenen Erkenntnisse über die beiden Männer vor.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, El Mojad solle der Imam der Hauptmoschee in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sein, wo sich zum Freitagsgebet gewöhnlich fast 2000 Menschen versammelten. Er habe für Osama Bin Laden die Finanzen verwaltet. Zu etwaigen Tatvorwürfen und dem Stand der Ermittlungen machte die Staatsanwaltschaft Frankfurt keinerlei Angaben.

Deultschlands Innenminister Otto Schily äußerte sich zufrieden über die Festnahmen. US-Justizminister John Ashcroft habe ihn "angerufen und sich für die gute Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus bedankt", sagte Schily der "Bild am Sonntag". Diese habe sich bei der Aktion in Frankfurt erneut bewährt. Die Kooperation sei "das beste Mittel, um die Gefährdung auch in Deutschland gering zu halten".

12.1.2003 12:32