Donnerstag, 9. Jänner 2003

Redenschreiber von Bush: "Achse des Bösen" ist Zufall

  • Nordkorea erst in letzter Minute aufgenommen
  • Bush gilt als ungeduldig und wenig neugierig

Dass sich der Irak, der Iran und Nordkorea auf der "Achse des Bösen" von US-Präsident Bush befinden, ist nach Ansicht seines früheren Redenschreibers David Frum das Ergebnis eines Zufalls. Wie die spanische Tageszeitung "El Pais" berichtet, lüftet Frum in seinem jüngst erschienen Buch "The right man" die Entstehungsgeschichte des berühmtesten Satzes aus der Rede zur Lage der Nation im Jänner 2002. Nordkorea sei erst in letzter Minute in die Achse aufgenommen worden, so Frum.

Im Jänner 2002 sei er mit der Suche nach einem Ausdruck beauftragt worden, der eine Verbindung zwischen dem Irak und dem Terrornetzwerk El Kaida suggerieren würde, erläutert Frum laut "El Pais". Dabei sei ihm der Begriff "Achse" eingefallen, der an Deutschland, Italien und Japan erinnerte, die Gegner der USA im Zweiten Weltkrieg. Bush hätte in seiner Rede unterstreichen können, dass der Irak und El Kaida eine "Achse des Hasses" (ursprüngliche Formulierung) darstellten, ohne Beweise für eine tatsächliche Allianz vorlegen zu müssen.

El Kaida fiel wieder aus der "Achse"
Der nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice habe der Ausdruck gefallen, so Frum. Sie habe daraufhin vorgeschlagen, auch den Iran in diese Achse aufzunehmen, um auch noch die härtere Gangart Washingtons gegenüber Teheran zu unterstreichen. Das Terrornetzwerk El Kaida, das nun nicht mehr in die Achse passte, wurde kurzerhand in einen anderen Teil der Rede verschoben.

Schließlich fiel der Kommunikationsberaterin des US-Präsidenten, Karen Hughes, auf, dass auch die früheren Achsenmächte drei an der Zahl waren (Berlin-Rom-Tokio). Warum solle man daher nicht noch Pjöngjang in die Achse aufnehmen? Nordkorea sei nämlich eine Diktatur und verfüge über ein Atomprogramm. Außerdem seien die Nordkoreaner keine Moslems, womit man möglicher Kritik begegnen könnte, die Achse des Bösen bestehe nur aus moslemischen Staaten.

Bush gilt als ungeduldig und schlecht informiert
Der als konservativ geltende Frum zeichnet in seinem Buch auch sonst ein wenig schmeichelhaftes Bild vom US-Präsidenten. Dessen Charakter sei "nicht süß, sondern sauer". Im Privatbereich sei er nicht der "sympathische und einfache Mensch, der er in der Öffentlichkeit zu sein scheint". Er sei "ungeduldig und schnell verärgert", was nur nur vor dem Hintergrund seines früheren Alkoholproblems zu verstehen sei: "Er steht jeden Morgen im Bewusstsein auf, dass es wieder ein Tag ohne Alkohol sein wird." Außerdem fehle es dem mächtigsten Mann der Welt an Neugierde. Er sei "schlecht informiert" und seine Gedanken seien "zu konventionell für einen Führer".

Da sich Bush nach seinen Instinkten und nicht nach Prinzipien richte und seinen Mitarbeitern die Konkretisierung seiner politischen Inspirationen überlasse, sei es auch zur eigentümlichen Zusammensetzung der "Achse des Bösen" gekommen, mit der Bush nicht nur Gegner, sondern auch ihm nahe stehende Personen wie US-Außenminister Colin Powell überrascht habe.

9.1.2003 13:09