Samstag, 11. Jänner 2003

Pensionen: Marin setzt auf Wahlfreiheit

  • Vereinheitlichung der Systeme

Der Pensionsexperte Bernd Marin will in Sachen Pensionsreform künftig vor allem auf Wahlfreiheit setzen. So könnten Menschen zwar früher als derzeit gesetzlich vorgesehen in Rente gehen, nicht aber auf Kosten der Versicherten, plädiert er im Ö1-"Mittagsjournal" für höhere Abschläge und hält wenig von einem höheren Antrittsalter. "Selbstverständlich" ist für Marin eine Vereinheitlichung der verschiedenen Pensionssyteme: "Ein Euro ist ein Euro und ein Beitragsmonat ein Beitragsmonat". Die Netto-Ersatzrate müsste seiner Ansicht nach in der Größenordnung von 80 Prozent liegen, allerdings sollte diese Pensionshöhe erst nach 45 Versicherungsjahren erreicht werden.

Skeptisch ist Marin, was den Eingriff in bestehende Pensionsrechte angeht. Wie er betonte, sollte man erworbene Anwartschaften "sakrosant lassen". Diese Ansprüche seien "quasi heilig". Allerdings kann es sich der Sozialexperte vorstellen, bei noch im Arbeitsleben Stehenden Systemumstellungen durchzuführen. Das heißt, wenn jemand 36 Jahre im alten Bereich versichert war, würden ihm diese Ansprüche angerechnet. Für den Rest seiner Tätigkeit könnten dann aber andere Voraussetzungen gelten. Gänzlich ausschließen wollte Marin Eingriffe in bestehende Pensionen freilich nicht. Man könne Rentner durchaus nach Maßgabe ihrer wirtschaftlichen Kraft einbeziehen.

Insgesamt fordert Marin mehr Sachverstand und Fairness in der Pensionsdebatte ein. Aus seiner Sicht müsse nun eine Reform geschafft werden, die zumindest für alle Gültigkeit habe, die bereits geboren seien. Grundsätzlich ist für ihn unerlässlich, dass die Menschen dabei länger in Beschäftigung bleiben. Man könne es sich auf Dauer nicht leisten, dass nur eine Minderheit im Arbeitsleben stehe. Ansonsten könne man den Menschen daneben nur niedrige Sozialstandards anbieten.

11.1.2003 14:04