Freitag, 3. Jänner 2003

Schweiz: Die Warterei auf UMTS hält an

  • Einführungsfristen für Mobilfunk der dritten Generation geändert

UMTS, der Mobilfunk-Standard der dritten Generation, bleibt in der Schweiz Zukunftsmusik. Teure Entwicklungskosten wirken als Bremsklotz. Außerdem besetzen GPRS und drahtlose lokale Netzwerke mittlerweile den Markt für mobile Breitband-Kommunikation.

Eigentlich sollte UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) auch in der Schweiz bereits eingeführt sein. Ursprünglich war vorgesehen, dass die vier Schweizer Lizenznehmer - Orange, Sunrise, Telefonica und Swisscom - bis Ende 2002 für 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung UMTS-Dienste anbieten müssen. Technische Schwierigkeiten verzögerten die Marktreife von UMTS-Handys und -Installationen aber fortlaufend. Als Knackpunkte erwiesen sich die noch ungenügende Leistungsfähigkeit der Handy-Batterien und die Entwicklung eines mit den aktuellen Standards GSM und GPRS kompatiblen Systems.

In Anbetracht dieser Probleme zeigte sich die Kommunikationskommission (ComCom) nachsichtig: Sie veränderte die Einführungsfristen. Die erste Frist für Ende 2002 wurde gestrichen. Erst Ende 2004 müssen die Lizenznehmer 50 Prozent der Haushalte mit UMTS-Diensten versorgen.

Dank der UMTS-Verspätung erhalten alternative Technologien Aufwind. GPRS, das eigentlich nur die Übergangsphase zwischen dem GSM- und dem UMTS-Netz sichern sollte, fasst im Markt allmählich Fuss. Mit GPRS können pro Sekunde 50 Kilobyte (KB) Daten übertragen werden. Theoretisch soll UMTS zwar einen Datenfluss von 300 KB erlauben. Dies wird jedoch selbst vom Swisscom Mobile-Chef Carsten Schloter in Frage gestellt. Die garantierte Datenmenge werde bloß 60 KB betragen.

Die Bewirtschaftung von GPRS "drängt das Bedürfnis nach UMTS vorläufig in den Hintergrund", erklärte der Telecom-Berater Jean- Daniel Faessler. Beweis für die Dynamik von GPRS ist beispielsweise das von Orange kürzlich lancierte Multimedia-Telefon SPV (Sound Pictures Video). Zusätzliche Konkurrenz erwächst UMTS durch lokale drahtlose Netzwerke (Wireless Local Area Network; WLAN), so genannten hot spots. Laptop-Besitzer können so ohne Telefonverbindung im Internet surfen. Obwohl die Reichweite eines WLAN mit rund 50 Metern gering ist, kommt diese Technologie immer häufiger - beispielsweise in Bahnhöfen - zum Einsatz.

Von den vier Lizenznehmern will die Swisscom ab 2004 im UMTS-Massenmarkt präsent sein. Bereits dieses Jahr habe Swisscom die ursprüngliche Lizenzbedingung einer 20-Prozent-Abdeckung erreicht und überboten, erklärte ihr Sprecher Christian Neuhaus. Als erste Kunden hat der blaue Riese die Unternehmen im Visier.

Bei Orange soll der kommerzielle Start sicher nicht vor Ende 2003 erfolgen, sagte deren Sprecherin Theres Wenger. Hingegen halte Orange an der UMTS-Strategie fest. Die Suche nach Standorten für UMTS-Antennen verlaufe recht gut. "Viele Baubewilligungen liegen bereits auf dem Tisch."

Skepsis herrscht dagegen bei Sunrise und Telefonica. Für Sunrise macht es keinen Sinn ein Netz zu bauen, solange die Normen und Standards nicht festgelegt sind. UMTS komme erst auf den Markt, wenn die Technologie und die Konsumenten dafür reif seien, hieß es.

Telefonica hat die Investitionen in ihre UMTS-Projekte in Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz im 2002 gar eingefroren. Dieser Schritt drängte sich auf, nachdem die spanische Firma im ersten Halbjahr 2002 einen Verlust von 5,57 Mrd. Euro verbuchen musste. Ein Großteil des Verlustes ergab sich durch Abschreibungen auf den UMTS-Investitionen.

Abgesehen von den technischen Schwierigkeiten bei der Einführung von UMTS kämpfen die künftigen Anbieter auch mit juristischen Hürden. Die weit verbreitete Opposition gegen den Bau von neuen Mobilfunk-Antennen führt zu einer harzigen und langwierigen Suche nach geeigneten Standorten.

3.1.2003 14:12