Bei der AUA stehen die Zeichen auf Sturm
- Das Bordpersonal droht mit Streik!
- Maßnahmenfahrplan bei Klausur nächste Woche
·Krach bei AUA
Betriebsrat: "Wol-len keinen Streik"
·AUA Group
2,8% Passagierplus bis November
·Kampfbereit
AUA stellt sich den Billig-Fliegern
Bei der heimischen Austrian Airlines-Gruppe stehen die Zeichen jetzt auf Sturm: Nach der Aufkündigung einer Betriebsvereinbarung, die den Anteil der AUA-Mannschaft an der Gesamtproduktion in der Gruppe aus AUA, Lauda Air und Tyrolean Airways regelte, geht der AUA-Bord-Betriebsrat auf die Barrikaden. In einer Betriebsversammlung hat er sich zum Ergreifen von "Kampfmaßnahmen" ermächtigen lassen, die im Ernstfall bis zum Streik reichen könnten.
99,6 Prozent der gut 700 bis 800 Anwesenden haben dieses Vorgehen unterstützt. Bis 17. Jänner wird die überwiegende Zustimmung aller 2.000 AUA-Bord-Mitarbeiter erwartet.
Der Vorstand der Austrian Airlines-Gruppe hat die Aufkündigung der Betriebsvereinbarung "C-33" ausführlich begründet. Diese Vereinbarung garantierte der AUA eine pauschale Produktionsquote von 43 Prozent an der Gesamtproduktion innerhalb der aus AUA, Lauda Air und Tyrolean Airways bestehenden Luftfahrt-Gruppe. Der ohne C-33 mögliche flexiblere Einsatz vorhandener Flugzeugkapazitäten sei Voraussetzung für den notwendigen Abbau von "Leerkapazitäten" speziell bei Lauda und Tyrolean.
Die Betriebsvereinbarung verhindere größtenteils den Einsatz am Boden stehender Flugzeuge bei den Tochtergesellschaften. Der ausgelastete AUA-Flugbetrieb habe keine Kapazitäten, diese Flugzeuge zu betreiben. Vor diesem Hintergrund habe der Konzernvorstand die Betriebsvereinbarung vertragskonform per Ende 2002 gekündigt, um die weitere unbehinderte Entwicklung der einzelnen Geschäftsfelder sicherzustellen.
Problematischer als die nach einer einjährigen Kündigungsfrist Anfang 2004 wegfallende Betriebsvereinbarung ist aber die geplante Einführung eines zweiten, günstigeren Gehaltsschemas für neu eintretende AUA-Piloten, "two tier system" genannt. "Eine zweite Gehaltstabelle dieser Art berührt in keinster Weise die individuellen Bedingungen und Gehälter bereits im Unternehmen tätiger Austrian Airlines-Piloten und Flugbegleiter, sondern ist die Grundvoraussetzung für unsere erfolgreiche wirtschaftliche Ausrichtung", argumentiert AUA-Finanzvorstand Thomas Kleibl. Zudem gebe es damit bessere Karrieremöglichkeiten im Austrian Airlines-Flugbetrieb.
Piloten gegen "Zwei-Klassen-Gesellschaft"
Der AUA-Bord-Betriebsrat erteilte diesen Vorstellungen heute freilich eine klare Absage: "Wir wollen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft", unterstrich Bord-Betriebsratschef Rudolf Novak im Anschluss an die Betriebsversammlung. Seit Kündigung der Betriebsvereinbarung fühle man sich "am Arbeitsplatz nicht mehr sicher", so die Piloten. "Wir stehen ohne Garantie da und blicken besorgt in die Zukunft", sagte Novak.
Auch mit einem "two tier system" blieben die Bedingungen für neue AUA-Piloten noch immer attraktiv, meint dagegen der AUA-Vorstand: Schließlich seien die Kosten eines AUA-Piloten im Durchschnitt rund doppelt so viel hoch wie jene eines Piloten bei Lauda Air oder Tyrolean Airways. Das kaufmännisch-technische Personal und auch die AUA-Flugbegleiter stimmten bereits 1995 der Einführung zweiter Gehaltstabellen zu. "Wir verdienen nicht schlecht, aber wir leisten mit 800 Stunden auch mehr als andere Airlines", kontert der Bord-Betriebsrat.
Einen vom Betriebsrat vorgeschlagenen "Mantel-Kollektivvertrag", der über die bestehenden Kollektivverträge von AUA, Lauda Air und Tyrolean Airways "gestülpt" werden soll, lehnt der Vorstand ab: Das sei die Vorstufe zu einem Konzern-KV für die Austrian Airlines-Gruppe und "der Beginn einer Kostenspirale mit Sog nach oben", prophezeit Marketingvorstand Josef Burger. Das würde die AUA im internationalen Wettbewerb mit Sicherheit aus der Bahn werfen. Der Vorstand sei bereit, die Geschäftsfeldspezialisierung in der Gruppe abzusichern - aber nur unter Voraussetzung der Einführung einer zweiten Gehaltstabelle für zukünftige Austrian Airlines-Piloten. Ein "Mantel-KV" sei dafür keine Lösung.
Verlagerungen bestehender Produktionen seien nicht vorgesehen, unterstrich der Vorstand zu den vom Betriebsrat "geschürten Befürchtungen, dass Flüge ausgelagert oder weniger qualifiziertes Personal eingestellt werden könnte". Der für Flugbetrieb zuständige Vorstandsdirektor Walter Bock bezeichnet qualitative Befürchtungen als "realitätsfremd": Die Austrian Airlines-Gruppe werde als Qualitätskonzern ihr Personal weiter nach höchsten Qualifikationskriterien auswählen. "Die vom Betriebsrat befürchtete Anstellung von weniger qualifizierten Piloten, ganz egal welcher Herkunft, steht nicht zur Diskussion". Selbst ein "eventuelles zukünftiges Engagement im Billigflugsegment hätte nichts mit der Ausrichtung des Mainline-Konzerns zu tun".
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