Donnerstag, 2. Jänner 2003

Weltbörsen starten mit Kursfeuerwerk ins neue Jahr

  • Überraschend positiver US-Einkaufsmanagerindex beflügelt
  • Händler warnen vor zu großer Euphorie

Mit einem Kursfeuerwerk sind die Weltbörsen am Donnerstag in das neue Börsenjahr 2003 gestartet. Nachdem bereits im europäischen Frühhandel deutliche Kursgewinne verbucht wurden, bescherten überraschend positive US-Konjunkturdaten der Rally am Nachmittag weiteren Zündstoff.

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager (ISM-Index) ist im Dezember deutlich stärker als von Analysten erwartet gestiegen.

Das um 16:00 Uhr MEZ veröffentlichte Konjunkturbarometer lag mit 54,7 Punkten deutlich über dem Stand von November von 49,2 Punkten und auch deutlich über der durchschnittlichen Analystenprognose von 50,3 Zählern. Ein Wert von über 50 Punkten signalisiert eine Expansion im Verarbeitenden Gewerbe, Werte darunter deuten eine Schrumpfung an.

Die Weltbörsen reagierten mit deutlichen Kurssprüngen auf die guten Konjunkturnachrichten. Der deutsche Leitindex DAX konnte unmittelbar nach den Zahlen die psychologisch wichtige Marke von 3.000 Punkten zurück erobern. Gegen 17:00 Uhr notierte der Index mit einem satten Plus von 6,1 Prozent bei 3.069,43 Punkten. Der paneuropäische Euro-Stoxx-50 Index gewann 4,8 Prozent auf 2.500 Punkte. Der Dow Jones der New Yorker Börse stieg bis zu diesem Zeitpunkt um 2,3 Prozent auf 8.536,90 Einheiten.

Auch der Dollar wurde von den positiven Konjunkturdaten beflügelt. Der Euro, der zuletzt noch auf neue Jahreshochs über 1,05 Dollar gestiegen war, kam im Gegenzug deutlich zurück. Gegen 17:00 Uhr notierte der Euro bei 1,0376 US-Dollar. "Die Konjunktur in den USA ist wieder auf den Erholungspfad zurückgekehrt sein", sagte ein Wiener Devisenhändler. Damit dürfte ein Grund, nämlich eine schwache US-Wirtschaft, für eine Euro-Anlage zumindest kurzfristig weggefallen sein, weshalb die Gemeinschaftswährung unter Druck geraten sei.

Von einer Trendwende könne jedoch noch keine Rede sein, denn das größte Risiko für die US-Währung stelle eine mögliche kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Irak und den USA dar. Diese Gefahr dürfte dem Euro bis zur endgültigen Klärung der Irak-Frage weiteren Auftrieb geben, so ein Beobachter.

Nur verhalten optimistisch reagierten auch Aktienhändler auf die positiven US-Daten. "Das ist ein ermutigendes Zeichen und ein Gegenpol zu den enttäuschenden Zahlen zu Beginn der Woche", meinte ein Marktteilnehmer in London. Andere Händler warnten aber trotz der Kursrally vor übertriebener Euphorie. Die US-Daten seien zwar "recht außergewöhnlich", aber man könne noch keine Entwarnung geben, meinte ein Pariser Händler. Die Stimmung könne sich genauso schnell wieder ändern, warnte auch ein Frankfurter Händler und erwartet vorerst noch keinen nachhaltigen Anstieg.

Auch für die Analysten der Erste Bank stellt der positive ISM-Index zwar gute Nachrichten von der Konjunkturfront dar, der überraschend hohe Wert sei aber ein Einmaleffekt. Das Institut erklärt den hohen Indexstand mit der vorsichtigen Haltung der Unternehmen. "Diese haben offensichtlich in Antizipation eines Nachfrageeinbruchs, der dann so nicht stattgefunden hat, ihre Lager ab dem Sommer zu stark reduziert. Im Dezember wurde dies dann offensichtlich und resultierte in starken Bestellungen für das verarbeitende Gewerbe", heißt es in einem Kurzkommentar der Erste Bank. Dieser Nachholeffekt sollte berücksichtigt werden, die Erste Bank erwartet daher nicht, dass der ISM-Index dieses hohe Niveau während der nächsten Monate halten kann.

2.1.2003 17:43