Sonntag, 5. Jänner 2003

Blix: Irak lässt viele Fragen zu Rüstungsbericht offen

  • Inspektoren finden keine Spur von Massenvernichtungswaffen
  • PLUS: Das Kriegszenario in vier Phasen (siehe Kasten rechts)

Der irakische Rüstungsbericht an die Vereinten Nationen gibt nach Angaben von UNO-Chefwaffeninspektor Hans Blix "keine Antwort auf zahlreiche Fragen". Ein tiefer gehendes Studium des knapp 12.000 langen Berichts bestätige diesen Eindruck, sagte Blix in New York. Die Rüstungskontrollore der Vereinten Nationen hätten bisher keine Hinweise auf Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden. Indessen will Australien den USA im Kriegsfalle mit Material und Truppen unterstützen.

Die UNO-Kontrollore seien nun seit rund zwei Monaten im Irak und hätten keine "rauchenden Colts" gefunden, sagte Blix. Er habe allerdings den Eindruck, dass der irakische Waffenbericht viele Fragen nicht beantworte. Blix wollte dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen noch am Donnerstag einen Zwischenbericht vorlegen

Doppelschach
Die USA äußerten sich überzeugt, dass der Irak in allen Punkten gelogen habe. Saddam Hussein solle zugeben, dass er Massenvernichtungswaffen besäße - ein Kriegsgrund. Alles andere als ein solches Geständnis wäre ein schwerwiegender Bruch der UN-Resolution und damit - ein Kriegsgrund.

Weitere Befragungen kommen
Blix kündigte an, dass die UNO-Inspektoren etwa innerhalb einer Woche weitere irakische Wissenschaftler zu dem Rüstungsprogramm des Landes befragen wollten.

Konfrontationskurs?
Die irakische Regierung steuert unterdessen auf eine direkte Konfrontation mit den UNO-Waffeninspektoren zu. Nach den Spionagevorwürfen der vergangenen Tage kündigte das Regime von Präsident Saddam Hussein am Donnerstag an, es werde sich bei der Waffenkontrollkommission der Vereinten Nationen (UNMOVIC) über die Befragung von Militärs beschweren.

"Die Kontrollore haben bei ihrem Besuch auf einem Militärstützpunkt ungerechtfertigte Fragen gestellt, die nichts mit ihrer Kontrollaufgabe zu tun hatten", sagte Präsidentenberater Amir el Saidi bei einem Treffen mit einer südafrikanischen Friedensdelegation in Bagdad. "Dies ist inakzeptabel."

Gefährliche Zeit
Die irakische Regierung werde UNMOVIC auffordern, ein derartiges Vorgehen in Zukunft zu unterbinden. Gerade in einer Zeit, in der die USA dem Irak mit einem Krieg drohten, sei eine unerlaubte Befragung von Militärs eine "sehr gefährliche Angelegenheit", sagte El Saidi. Ausländische Beobachter in der Region glauben, dass die Führung in Bagdad inzwischen fest mit einem US-Angriff rechnet und deshalb nicht zulassen will, dass die Kontrolleure Informationen sammeln, die für die Angreifer von Nutzen sein könnten.

Die Inspekteure, die auf die irakischen Anschuldigungen der vergangenen Tage nicht öffentlich reagierten, setzten ihre Kontrollen unterdessen in mindestens sieben Anlagen fort. Eine ursprünglich geplante Inspektion per Hubschrauber musste nach Angaben von Augenzeugen wegen schlechten Wetters abgesagt werden. Atomwaffenexperten inspizierten erstmals die El-Kadissia-Fabrik für elektrische Geräte in Bakuba, 60 Kilometer östlich von Bagdad. Bei den anderen Anlagen handelte es sich um Einrichtungen, die von den Experten bereits zuvor besucht worden waren.

Australien hilft USA mit Fliegern und Truppen
Australien will im Falle eines Krieges gegen den Irak Truppen, Kampfflugzeuge und Marineschiffe bereitstellen. Wie Ministerpräsident John Howard am Freitag betonte, müsste aber die internationale Staatengemeinschaft einen solchen Militärschlag für notwendig erachten. Die Regierung in Canberra habe sich noch nicht festgelegt, ob sie einen von den USA angeführten Irak-Krieg auf jeden Fall unterstützen werde. Die entsprechenden Vorbereitungen würden jedoch vorsorglich schon getroffen.

Howard gilt als enger Verbündeter von US-Präsident George W. Bush in dessen harten Kurs gegenüber dem Irak und hat eine Beteiligung an einem Militärschlag auch ohne UN-Mandat nicht ausgeschlossen. Zunächst müsse aber die Arbeit der Rüstungskontrolleure zu Ende geführt werden, betonte er am Freitag. Australien wünsche keinen Krieg, halte aber die Zerstörung der irakischen Massenvernichtungswaffen für unabdingbar.

5.1.2003 22:00