"Chaos-Pilot" in die Psychiatrie eingewiesen
- 116 Flüge mussten am Sonntag annulliert worden
- PLUS: Die Bilder von der Entführung (siehe Kasten rechts)
·Die Bilder
Motorsegler kreiste über Frankfurt
·Der Entführer
31-Jähriger mit Realitätsverlust
·Hintergrund
Die "Challenger"-Katastrophe
Der 31-jährige Entführer eines Motorseglers, der am Sonntag mit einem Irrflug über dem Frankfurter Bankenviertel Behörden und Bevölkerung in Atem gehalten hatte, wird vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus in Haina in Nordhessen untergebracht. Diese Entscheidung traf am Montagabend ein Haftrichter in Frankfurt am Main, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Das Gericht folgte damit einem Antrag der Staatsanwaltschaft.
Der 31 Jahre alte Psychologie-Student aus Darmstadt verlangte vor seiner Aussage einen Anwalt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Während eines halsbrecherischen Irrflugs zwischen den Frankfurter Hochhäusern hatte der Mann am Sonntag gedroht, in die Europäische Zentralbank (EZB) zu rasen. Zuvor hatte er einen Motorsegler vom Typ Super Dimona auf dem südhessischen Flugplatz Babenhausen gestohlen. Dabei drohte er mit einer Schreckschusswaffe.
In Psychiatrie eingewiesen
Als Straftatbestände kommen nach vorläufiger Einschätzung räuberische Erpressung mit einer Höchststrafe von 15 Jahren, Störung des öffentlichen Friedens, Bedrohung, Nötigung und gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr in Frage, sagte Oberstaatsanwalt Job Tilmann. Der Haftrichter entschied nun, dass der verwirrte Amok-Pilot in in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird.
Als Motiv hatte der Mann auch im Funkverkehr angegeben, an die 1986 verstorbene US-Astronautin Judith Resnik erinnern zu wollen. Über die beim Challenger-Absturz umgekommene Frau hatte er auch eine Fan-Homepage im Internet eingerichtet. Er sei in sie verliebt, sagte er dem Funk-Protokoll zufolge. Er hatte während seines Schreckensfluges auf Vermittlung des Towers sogar mit dem Bruder der Astronautin in den USA gesprochen.
Mutter gibt sich Schuld
Die Mutter des Piloten bezichtigte sich im Fernseh-Sender RTL selbst. "Ich glaube, ich bin schuld, weil ich ihm von Kindheit an alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt habe", sagte Ruth Strambach, mit der er in einer Darmstädter Dreizimmer-Wohnung gelebt hat. Der Wiesbadener Kriminologe Prof. Rudolf Egg bezeichnete mangelnde Beachtung als möglichen Auslöser für die Tat.
Die Sicherheitsmaßnahmen auf den deutschen Kleinflughäfen sollen nach Angaben des Verkehrsministeriums verschärft werden. Bereits nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 habe die deutsche Bundesregierung mehrmals an die Länder, die nach dem Luftverkehrsgesetz dafür zuständig seien, entsprechende Aufforderungen gerichtet. Bis 31. Jänner sollen die Länder mitteilen, "welche Maßnahmen sie an welchem Standort für durchführbar und für sinnvoll erachten".
Die Pilotenvereinigung Cockpit verlangte eine strengere Abschottung von Privatfliegern auf den großen Flughäfen. Andernfalls könnten sie unkontrolliert und womöglich mit Waffen an Bord in den Sicherheitsbereich der kommerziellen Verkehrsflugzeuge gelangen, sagte Cockpit-Sprecher Georg Fongern.
Entführung weniger gefährlich als angenommen
Der Irrflug des gekaperten Motorseglers über der Frankfurter Innenstadt war nach Einschätzung der Flugsicherung und der Feuerwehr weniger gefährlich als zunächst angenommen. Das Kleinflugzeug mit seinen 500 Kilogramm Gewicht und maximal 70 Litern Treibstoff könne an einer Hochhausfassade nur einen geringen Schaden anrichten, sagte die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS), Ute Otterbein. Konkrete Gefährdungen des Linienverkehrs durch die Super Dimona habe es nicht gegeben.
In der Frankfurter Innenstadt hatte das zeitweise in nur 50 Metern Höhe zwischen den Bankentürmen kreisende Flugzeug Angst und Schrecken bei tausenden Menschen ausgelöst. Der Motorsegler wurde von zwei Phantom-Kampfjets der Luftwaffe und einem Polizeihubschrauber verfolgt.
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