Sonntag, 5. Jänner 2003

Algerische Extremisten töten mindestens 56 Menschen

  • Anschläge auf Sicherheitskräfte und Dorfbewohner
  • Militärkonvoi überfallen

An einem der blutigsten Wochenenden seit Monaten haben mutmaßliche Extremisten in Algerien mindestens 56 Menschen getötet. Bei einem Bombenanschlag im Nordosten des Landes starben am Samstag 43 Sicherheitskräfte, weitere 19 wurden verletzt, wie die Tageszeitung "Le Matin" berichtete. Die Soldaten und Mitglieder ziviler Selbstverteidigungsgruppen seien im Süden der Stadt Batna im Aures-Gebirge in einen Hinterhalt geraten.

In der Nacht zum Sonntag wurden mindestens 13 Dorfbewohner nahe der Stadt Blida im Südwesten von Algier massakriert, wie die Sicherheitskräfte mitteilten. Die Opfer hätten zwei verschiedenen Familien angehört.

Wie die Tageszeitung "Le Matin" am Sonntag berichtete, habe es sich wohl um den schwerwiegendsten Rebellenangriff seit sechs Jahren gehandelt. Die mutmaßlichen Terroristen hätten Bomben mit hochexplosiven Sprengstoff auf die Militärfahrzeuge geschleudert, berichteten die Zeitungen und die nationale Nachrichtenagentur APS unter Berufung auf Regierungskreise. Ebenfalls in den Aures-Bergen sei eine Militärpatrouille Ziel eines Bombenanschlags geworden. Dabei habe es sechs Verletzte gegeben.

Nach dem Angriff auf die Soldaten bei Batna schickte die Armee dem Bericht zufolge ein massives Militäraufgebot in die Region, die als Hochburg der GSPC, einer Splittergruppe der fundamentalistischen Bewaffneten Islamischen Gruppen (GIA) gilt. Der GSPC werden Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida nachgesagt. Beide Gruppen kämpfen gegen die von Präsident Abdelaziz Bouteflika ausgerufene Versöhnungspolitik. Eine offizielle Bestätigung für die Opferzahl gab es zunächst nicht.

Seit Anfang 1992 wird Algerien immer wieder von Gewalt erschüttert. Damals wurde eine Parlamentswahl abgebrochen, bei der sich ein Sieg der radikalen Moslems abgezeichnet hatte. Nach Regierungsangaben sind seitdem in blutigen Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten islamistischen Gruppen und Regierungstruppen mehr als 100.000 Menschen getötet worden. Unabhängige Quellen schätzen die Zahl der Opfer auf bis zu 150.000.

5.1.2003 10:26