Samstag, 4. Jänner 2003

ETA erklärt spanische Ferienorte zum "Kriegsgebiet"

  • "Die Tourismusindustrie ist ein militärisches Ziel"
  • Innenminister Acebes: Drohung nichts Neues

Die baskische Untergrundorganisation ETA hat mit neuen Terroranschlägen in den spanischen Feriengebieten gedroht. "Die Tourismusindustrie ist ein militärisches Ziel", heißt es in einer Erklärung, die am Samstag von der ETA-nahen Zeitung "Gara" veröffentlicht wurde. "Wir können nicht die Unversehrtheit jener garantieren, die sich in das Kriegsgebiet begeben."

Der spanische Innenminister Angel Acebes nannte die Drohung "einen Irrsinn". Dass die ETA aber in Urlaubsgebieten Angst und Schrecken verbreiten wolle, sei nichts Neues.

In dem Kommuniqué bekannte sich die ETA zu Drohbriefen, die vergangenen Monat an die Botschaften europäischer Länder sowie Australiens und der USA in Madrid geschickt worden waren. Darin heißt es, die jeweiligen Staaten sollten ihre Bürger auf die möglichen Gefahren von Ferienreisen nach Spanien aufmerksam machen. "Denn touristische Einrichtungen sind weiter operative Ziele unseres bewaffneten Kampfes." Die Schreiben gingen auch an Reiseveranstalter, Reisebüros und Fluggesellschaften.

Diplomaten wiesen darauf hin, dass solche Drohbriefe keine neue Erscheinung seien. In der Vergangenheit hätten die Botschaften in Madrid solche Schreiben zuweilen "in alphabetischer Reihenfolge beginnend mit Australien" erhalten.

Die ETA hatte in den vergangenen Jahren während der Sommersaison immer wieder Bombenanschläge an der spanischen Mittelmeerküste verübt. Zwar sind dabei auch Urlauber verletzt worden, noch nie wurde aber ein Tourist getötet. Die Polizei konnte nach telefonischen Warnungen der ETA Hotels und andere touristische Einrichtungen stets rechtzeitig evakuieren. Zuletzt hatten die Terroristen im August vergangenen Jahres in Santa Pola bei Alicante an der Costa Blanca eine Bombe vor einer Polizeikaserne gezündet. Ein spanischer Passant und die Tochter eines Beamten starben.

Mit den Terrorkampagnen will die ETA dem Tourismus als wichtigste Einnahmequelle Spaniens schaden. Dieses Ziel wurde aber nie erreicht. Vielmehr stieg die Zahl der Urlauber stetig an, 2002 zählte das Land rund 50 Millionen Besucher.

In der Erklärung bekannte sich die ETA auch zu einem Bombenanschlag, bei dem im Dezember in einer Tiefgarage in der nordspanischen Stadt Santander schwere Schäden entstanden waren. Bei Attentaten der Organisation sind im vergangenen Jahr 5 Menschen getötet worden, 2001 waren es 15 gewesen.

Am Freitag stimmte das spanische Kabinett einem Gesetzentwurf zu, wonach die Höchststrafe für Terroristen von 30 auf 40 Jahre Haft angehoben werden soll. Außerdem sollen die Bedingungen für vorzeitige Entlassungen aus dem Gefängnis drastisch verschärft werden. Eine Zustimmung des Parlaments zu dem Gesetz gilt als sicher.

4.1.2003 14:37