Samstag, 4. Jänner 2003

London will laut 20.000 Soldaten zum Golf schicken

  • Laut Informationen des "Daily Telegraph"
  • PLUS: Die Türkei auf Irak-Friedensmission

Zur Vorbereitung eines Krieges gegen Irak will Großbritannien nach Presseinformationen nächste Woche mehr als 20.000 Soldaten zum Golf entsenden und zudem 7.000 Reservisten mobilisieren. Der "Daily Telegraph" meldete am Samstag, der Militärstab werde Premierminister Tony Blair nach dessen Rückkehr aus dem Urlaub über die Pläne für die Truppenverlegung und die Entsendung des Flugzeugträgers Ark Royal detailliert informieren. Blair werde dann voraussichtlich die Truppenverlegung vor dem Parlament bekannt geben.

Auf den Bericht angesprochen teilte ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums mit, das Land habe im Irak-Konflikt Vorbereitung getroffen, um bei Bedarf über "glaubwürdige Optionen" zu verfügen. "Und wahrscheinlich tun wir noch mehr", fügte der Sprecher hinzu. Auch sei es nicht ausgeschlossen, dass es nächste Woche eine weitere Erklärung geben werde. Vergangenen Monat war aus britischen Verteidigungskreisen verlautet, die USA und Großbritannien planten eine massive Invasion des Irak von See her als erste Stufe eines Bodenkrieges im Irak.

Die USA sind zurzeit dabei, Truppenverbände in der Golfregion zusammenzuziehen. Auch 800 in Deutschland stationierte US-Soldaten erhielten ihren Marschbefehl. Insgesamt soll mit den Ende Dezember befohlenen Verlegungen die Zahl der US-Soldaten in der Golfregion von derzeit etwa 60.000 verdoppelt werden.

Die USA werfen dem Irak den Besitz von Massenvernichtungwaffen vor und haben angekündigt, das Land notfalls mit militärischer Gewalt zu entwaffnen. Bagdad bestreitet den Besitz solcher Waffen. Am 27. Jänner berichtet UNO-Chefinspekteur Hans Blix dem UNO-Sicherheitsrat, ob die Inspektionen im Irak Hinweise auf verbotene chemische, biologische und atomare Waffen ergeben haben. Die Inspektoren der Vereinten Nationen (UNO) hatten nach vierjähriger Unterbrechung am 27. November ihre Kontrollen wieder aufgenommen.

Türkei auf Friedensmission
Die türkische Regierung startet am Samstag ihre diplomatische Offensive für eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts. Erste Station der Nahost-Reise von Regierungschef Abdullah Gül ist Syrien. Anschließend reist er nach Ägypten weiter, wo er neben Präsident Hosni Mubarak und Regierungschef Atef Ebeid auch den Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, treffen will. Am Montag wird Gül in Jordanien erwartet.

Die Türkei lehnt einen US-Angriff auf ihr Nachbarland Irak aus politischen und wirtschaftlichen Gründen bisher ab. Ankara ist das einzige mehrheitlich von Moslems bewohnte Land in der NATO und der wichtigste Partner der USA in der Region. Washington erhöhte zuletzt den Druck auf Ankara, einen Krieg gegen den Irak zu unterstützen.

4.1.2003 08:31