Samstag, 4. Jänner 2003

Hochwasserlage in Deutschland entspannt sich leicht

  • Tragisch: Eine Frau im Hochwasser ertrunken
  • Nur Main und Saar stiegen an - Wetterchaos in Teilen Europas

Die Menschen in vielen deutschen Hochwassergebieten können aufatmen: Die Lage hat sich über Nacht deutlich entspannt. Die Pegelstände des Rheins stiegen langsamer als erwartet. An der Mosel fielen die Pegel fast überall kräftig. Auch in den stark betroffenen fränkischen Gemeinden Coburg und Bad Kissingen ging das Hochwasser zurück. Tragisch: Eine Frau ist im Hochwasser ertrunken.

Am Samstagmittag wurde aus der Naab bei Kallmünz eine ertrunkene Frau geborgen. Wie die Regensburger Polizei mitteilte, wurde sie als Zeitungsausträgerin identifiziert. Sie war mit dem Fahrrad unterwegs gewesen und offenbar in den reißenden Fluten ums Leben gekommen.

Nicht überall gab es in Deutschland Entwarnung: Die Stadt Wertheim in Baden-Württemberg stellte sich auf ein neues Jahrhunderthochwasser ein. An der Unstrut in Thüringen wurde wegen eines drohenden Deichbruchs der 1.000-Einwohner-Ort Leubingen evakuiert. Im bayerischen Naabtal und am Main verschärfte sich die Lage. In den kommenden Tage können aber fast alle Regionen auf Entspannung hoffen, da kein stärkerer Regen mehr erwartet wird.

Die Kölner Altstadt wird voraussichtlich von einer Flutwelle verschont bleiben, erklärte ein Sprecher der Hochwasserschutzzentrale am Morgen. Allerdings seien einzelne Stadtviertel im Süden in der Nacht überflutet worden. Am Samstagvormittag wurde ein Pegel von 9,55 Meter gemeldet. "Am Sonntagabend rechnen wir mit einem Maximalstand bis zu 9,99 Meter", sagte Frank Freikamp von der Hochwasserschutzzentrale. Damit bliebe der Pegel knapp unter der kritischen Marke von zehn Metern. Bei dem Jahrhunderthochwasser von 1995 hatte der Pegel 10,60 Meter erreicht.

In Rheinland-Pfalz und dem Saarland standen die Signale ebenfalls auf Entwarnung. Der Rhein stieg nur noch geringfügig an und sollte nach Prognose des Mainzer Meldezentrums am Nachmittag in Koblenz den Höchststand von 8,20 Metern erreichen. Das ist deutlich weniger, als am Vortag vorausgesagt. An der Mosel gingen die Pegel ordentlich nach unten, da es kaum noch Regenfälle gab. Bei Trier fiel die Mosel binnen eines Tages um knapp einen Meter. Dennoch standen an beiden Flüssen noch immer viele Keller und manche Wohnung unter Wasser.

In Teilen Bayerns verschärfte sich die Hochwasserlage zusehends. An der Naab stiegen die Pegel weiter - rund 50 Keller wurden überflutet. Bereits am Freitagabend hatte die Kreisbehörde Katastrophenalarm ausgelöst. Besonders kritisch war die Lage in Kallmünz im Landkreis Regensburg, wo die Fluten den historische Ortskern überschwemmten. Am Main bot sich ein ähnliches Bild. In vielen Ortschaften liefen Keller voll. "Und die Hochwasserwelle ist noch nicht durch", sagte ein Sprecher des Krisenstabs in Haßfurt. In Würzburg wird der Scheitelpunkt der Welle erst am Sonntag erwartet.

Im oberfränkischen Coburg dagegen entspannte sich die Lage in der Nacht auf Samstag. Die starken Überschwemmungen in der Innenstadt waren weitgehend zurückgegangen. Auch im unterfränkischen Bad Kissingen wurde es besser. Nach dem schlimmsten Hochwasser seit Jahrzehnten sank der Pegel der Fränkischen Saale deutlich. Angespannt blieb die Lage in Niedersachsen, vor allem am Oberlauf der Weser.

Sinkende Temperaturen hatten in der Nacht eine Entspannung in mehreren Hochwassergebieten Thüringens, Sachsens und Sachsen-Anhalts gebracht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hob seine Unwetterwarnung für die drei Bundesländer auf.

4.1.2003 08:09