Samstag, 4. Jänner 2003

Zweites Klon-Baby bereits geboren?

  • War ursprünglich für Sonntag angekündigt
  • Beweise für angebliches erstes Klon-Baby fehlen weiter

Die Chefin des US-Unternehmens Clonaid, Brigitte Boisselier, hat am Samstag in den USA die Geburt des angeblich zweiten Klonbabys verkündet. Das Mädchen sei das Kind von zwei niederländischen lesbischen Frauen und sei am Freitagabend in einem "nordeuropäischen Land" zur Welt gekommen, sagte die französische Wissenschafterin der Nachrichtenagentur AFP.

"Dem Baby geht es sehr gut", sagte Boisselier. Es sei um zehn Uhr abends in einem nordeuropäischen Land auf natürlichem Weg geboren worden. Das neue Klon-Kind sei kleiner als seine Vorgängerin "Eve" und wiege 2,7 Kilogramm. Auf die Frage nach dem Geburtsland sagte Boisselier: Es gebe nicht "viele Länder, in denen um zehn Uhr abends ein Baby geboren wurde". Overvliet sagte, die Mutter befinde sich in den Niederlanden. Die Geburt selbst habe jedoch vielleicht in einem anderen Land stattgefunden.

In den Niederlanden ist das Klonen seit dem 1. September verboten. Bestraft werden kann es mit Haft von sechs Monaten bis zu einem Jahr. Das niederländische Justizministerium erklärte, es werde zunächst prüfen, ob die Geburt tatsächlich in den Niederlanden erfolgt und ob das Baby tatsächlich geklont sei, bevor eine Strafverfolgung eingeleitet werde.

Warten auf die Beweise
Boisselier verteidigte das Klonen von Menschen in der belgischen Zeitung "La Libre Belgique" (Samtagsausgabe). Das gesundheitliche Risiko des angeblich ersten Klon-Babys "Eve" sei "dasselbe wie für jedes andere am selben Tag und zur selben Zeit geborene Kind" gewesen. Sie warte selbst "ungeduldig" auf die Analyse des Erbgutes von "Eve". Die Geburt des zweiten Kindes sollte einfacher zu überprüfen sein als die des ersten, weil dessen Geburtsland "weniger heikel" sei, hatte Boisselier bereits am Donnerstag gesagt.

Eine DNA-Analyse von "Eve" - der sichere Beweis für ein Klon - war "verschoben" worden. Die Eltern hätten Angst, dass ihnen das Kind weggenommen werde, hatte Boisselier die Verzögerung begründet. Sektengründer Claude Vorilhon sagte, er habe Boisselier angewiesen, eine DNA-Analyse vorerst zu stoppen. Vorilhon lehnte es im kanadischen Fernsehen ab, am 22. Jänner vor einem US-Gericht zu der angeblichen Klon-Geburt auszusagen. "Falls eines Tages herauskommen sollte, dass es das geklonte Baby gar nicht gibt, bleibt es trotzdem für mich ein Ereignis, bei dem ich doch heute schon gewonnen habe", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Online-Ausgabe).

International hatten Politiker und Experten in aller Welt nach der angeblichen Geburt von "Eve" ein Klonverbot gefordert. US-Präsident George W. Bush appellierte an den Kongress in Washington, schnell ein Verbot zu verabschieden. Frankreichs Präsident Jacques Chirac sprach von einer "kriminellen Praxis", die weltweit verboten werden müsste. In Österreich hatte es bereits nach der Geburt des ersten angeblichen Klonbabys durchwegs negative und skeptische Reaktionen gegeben. Der Vorarlberger Reproduktionsmediziner Herbert Zech sprach damals von "Gaunern", die man "eigentlich einsperren sollte". Der Wiener Reproduktionsmediziner Franz Fischl (AKH Wien) sagte: "Eigentlich wissen wir noch gar nichts. Man müsste die verwendete Technik kennen."

"Gleichgültig, ob die Meldungen der Raelianer wahr sind oder nicht: Wir müssen schnellstens Grenzen setzen", sagte die stellvertretende Vorsitzende der deutschen CDU-CSU-Fraktion, Maria Böhmer, der Zeitung "Welt am Sonntag". Die Äußerungen der deutschen Forschungsministerin Edelgard Bulmahn ließen den Eindruck zu, dass "die Bundesregierung sich die Tür für das so genannte therapeutische Klonen offen halten will". Deshalb müsse der Bundestag nochmal seine Position deutlich machen, an die sich die Bundesregierung dann zu halten habe.

4.1.2003 07:19