Ölpest erreichte Madrid: Massenprotest gg. Regierung
- Entscheidung über Bergung in den kommenden Wochen
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·Die Ölpest
Bilder von Spaniens Katastrophen-Küste
Am Sonntag erreichte die galicische Ölpest Madrid. Hinter dem Nachbau des havarierten Öltankers Prestige zog rund eine Million Menschen durch die Straßen der Hauptstadt, um gegen das katastrophale Krisenmanagement der Regierung nach dem Tankerunglück zu protestieren. Zahlreiche Künstler, sämtliche Oppositionsparteien und Gewerkschaften solidarisierten sich mit Galiciens Fischern und Muschelsammlern, die mit rund 600 Bussen gekommen waren.
Mit Buhrufen, Trommeln und den für Galicien typischen Dudelsäcken zogen Menschen aus allen Teilen des Landes durch Madrid und forderten den Rücktritt von Premier Jose Maria Aznar, des galicischen Ministerpräsidenten Manuel Fraga und anderer namhafter Regierungspolitiker wie Vizeminister Mariano Rajoy und Verkehrsminister Franscico Alvarez-Cascos. Unterschiedlich waren die Einschätzungen bezüglich der Teilnehmerzahlen an der Demonstration. Die Polizei sprach von 100.000 Teilnehmern, die Veranstalter von rund einer Million.
"Wochenlang hat die Regierung das Desaster heruntergespielt. Es gab einfach kein Krisenmanagement. Nicht nur die Betreiber der Prestige haben Galicien in den Ruin gestürzt, sondern auch unsere eigene Regierung", erklärte Francisco Pena Diaz von der Bürgerinitiative Nunca Mais (Nie wieder). Auch drei Monate nach dem Unglück verschmutzen riesige Ölteppiche die galicischen Strände. "Wir sind hilflos. Auf dem Meer sammeln wir mit Fischernetzen und Mistgabeln die dicken Ölklumpen auf, bevor sie die Küste erreichen können. Eine Sisyphusarbeit", erklärt der Fischer Felipe Sar und stimmt mit seinen Kollegen aus der Fischereivereinigung Muxia erneut die Gesänge gegen die Regierung an.
Säuberungen fast unmöglich
Das schlechte Wetter und das dickflüssige Schweröl machen die Säuberungsarbeiten fast unmöglich, so der Fischer. Selbst die ausländischen Ölbekämpfungsschiffe mussten bereits abziehen. Auch moderne Technik war an den unzugänglichen Stränden und schroffen Steilküsten nicht zu gebrauchen. Und so säubern Hunderte Freiwilliger Tag ein Tag mit Spachteln und Schaufeln die Strände. Mindestens 25.000 Tonnen giftigen Schweröl gelangten ins Meer, als Mitte November der Tanker Prestige auseinanderbrach und auf den Meeresgrund sank.
Spanischer Verkehrsminister schuld an Ölpest
Auf dem Meeresgrund liegt noch tonnenweise Öl, dass sich durch das Abschleppen der Prestige über Hunderte von Kilometer verteilt hat. Es steigt langsam auf und bedroht von neuem die Strände Nordspaniens. Weitere 50.000 Tonnen befinden sich noch im Wrack, aus dem täglich noch große Mengen auslaufen. "Diesmal hat uns die Regierung übel mitgespielt. Es war schließlich auch die schwachsinnige Entscheidung des Verkehrsministers, die Prestige auf den Ozean hinaus schleppen zu lassen. Dadurch kam es doch erst zur eigentlichen Katastrophe", schimpft Fischer Felipe Sar.
Spaniens Experten geben ihm Recht. Die Prestige war am 13. November leck geschlagen und nach einem sechstägigen Abschleppmanöver etwa 250 Kilometer vor der Küste auseinander gebrochen und gesunken. Nach Ansicht vieler Fachleute führte erst der Entschluss, die havarierte Prestige aufs offene Meer zu bringen, zum Untergang der Prestige. Angesicht der im Winter vorherrschenden Winde und Strömungen sei klar gewesen, dass die Ölflut sich weiträumig verteilen und an die Küste gelangen würde. So wurde nicht nur die gesamte Küste Galiciens schwarz gefärbt, sondern sind auch Strände Frankreichs und anderer nordspanischer Regionen betroffen.
Volkspartei nun unter Druck
Das umstrittene Krisenmanagement könnte der regierenden Volkspartei sehr gefährlich werden. Mitte Mai finden in Spanien landesweit Kommunal- und Regionalwahlen statt. Die pro-amerikanische Politik in der Irak-Krise und das offensichtliche Fehlverhalten der spanischen Regierung nach dem Tankerunglück der Prestige zehren stark am Ansehen der Regierung. Selbst Minister schließen zukünftige Wahlniederlagen und den Verlust der absoluten Mehrheit nicht mehr aus. Die Massenkundgebungen lassen keinen Zweifel mehr über den tiefen Riss zwischen der Aznar-Regierung und dem spanischen Volk.
Aznar denunziert in dieser Situation die Bürgerinitivative "Nunca Mais" als "Instrument der galicischen Nationalisten" und "Tummelplatz von Radikalen". "Diese Plattform ist politisch manipuliert", spottete auch Galiciens Ministerpräsident und PP-Mitgründer Manuel Fraga. Vorwürfe werden kurzerhand zurückgewiesen.
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