Tanker rammte Wrack der "Tricolor" trotz Warnungen
- Mit 70.000 Tonnen Gasöl und Kerosin beladenes Schiff kam frei
- "Vicky" wird nun vor Anker auf Schäden untersucht
·Ärmelkanal
Kollision: Droht eine neue Ölpest?
·Die Ölpest
Bilder von Spaniens Katastrophen-Küste
·"Prestige"
Öl erreicht nun französische Küste
Das seit Mitte Dezember im viel befahrenen Ärmelkanal liegende Wrack des gesunkenen Auto-Frachters "Tricolor" ist trotz aller Sicherheitsmaßnahmen zum zweiten Mal von einem Schiff gerammt worden. Der mit 70.000 Tonnen leicht entzündlichem Gasöl und Kerosin beladene türkische Tanker "Vicky" fuhr am Mittwochabend auf den Frachter auf, wie britische und französische Behörden mitteilten.
Zwei Stunden später kam der Tanker dank der einsetzenden Flut aus eigener Kraft frei und ging nahe der Kollisionsstelle vor Anker. Zunächst war unklar, warum der Tanker trotz mehrfacher und regelmäßiger Warnungen vor der im Kanal liegenden "Tricolor" mit dem Wrack kollidierte. Schon die erste Kollision durch ein deutsches, leer fahrendes Frachtschiff hatte großes Rätselraten ausgelöst.
In Begleitung eines französisch-britischen Schleppers fuhr die "Vicky" in der Nacht zum Donnerstag an einen "sicheren Ankerplatz", wie die See-Präfektur in Dunkerque mitteilte. Nach Angaben der britischen Küstenwache in Dover ging der Tanker rund eine Meile nördlich des Wracks vor Anker. Vor seiner möglichen Weiterfahrt in einen Hafen sollte er dort auf mögliche Risse oder den Austritt von geladenem Treibstoff untersucht werden.
Gegen Mitternacht hatten die Behörden keine Hinweise auf eine Umweltverseuchung. Eine Sprecherin der britischen Küstenwache sagte, die Tatsache, dass das Schiff aus eigener Kraft weiterfahren konnte, deute darauf hin, dass es entgegen der ursprünglichen Befürchtung nicht leck geschlagen sei.
Der 243 Meter lange Tanker war am Abend gegen 20.20 MEZ auf die "Tricolor" aufgefahren. Die 1981 erbaute, in der Türkei registrierte "Vicky" war unterwegs vom belgischen Antwerpen nach New York. Sie hat eine einfache Außenwand, aber eine zusätzliche Metallschicht am Rumpf.
Der britischen Küstenwache in Dover zufolge werden alle Schiffe auf dem Ärmelkanal stündlich über die Gefahr durch das im Kanal liegende Wrack der "Tricolor" gewarnt. Nach Angaben der französischen Behörden befanden sich zum Zeitpunkt der Kollision zwei Schlepper und ein Patrouillenboot an der "Tricolor". Das Wrack sei zudem mit fünf Leuchtbojen markiert gewesen.
Die Besatzung der "Vicky" habe sogar auf die Aufforderung des französischen Patrouillenbootes reagiert, den Kurs zu ändern. Wie es dennoch zu der Kollision kommen konnte, sei unklar, hieß es von der See-Präfektur in Dunkerque. Die Verantwortung liege letztlich beim Kapitän eines jeden Schiffes, betonte eine Sprecherin der Küstenwache.
Die "Tricolor" mit mehr als 2800 fabrikneuen Luxuswagen an Bord war Mitte Dezember nach der Kollision mit einem anderen Schiff im dichten Nebel binnen 90 Minuten gesunken. Das norwegische Schiff liegt seitdem auf der Backbord-Seite in gut 30 Meter Tiefe auf dem Grund des Ärmelkanals, ragt bei Ebbe jedoch aus dem Wasser.
Das niederländische Bergungsunternehmen Smit hatte am 22. Dezember mit dem Abpumpen der rund 2.000 Tonnen Treibstoff an Bord begonnen. Die Arbeiten waren auf zwei bis drei Wochen veranschlagt worden. Zwei Tage nach dem Untergang der "Tricolor" hatte der unbeladene deutsche Frachter "Nicola" das Wrack gerammt.
Im Ärmelkanal vor der Küste des nordfranzösischen Verwaltungsgebiets Pas-de-Calais sind täglich knapp 400 Handelsschiffe unterwegs, etwa 50 von ihnen mit gefährlicher Fracht wie Öl, Gas oder radioaktiven Substanzen. Sie kreuzen die Route von rund 100 Fähren, die zwischen Frankreich, Belgien und Südengland verkehren.
Familiendrama in St. Pölten15:23
Bluttat: Bub ist totÄrzte kämpften erfolglos: Achtjähriger Bub nach Kopfschuss gestorben
