Ärmelkanal: Droht eine neue Ölpest?
- Tanker kam nach nach Kollision mit Wrack wieder frei
- "Vicky" wird nun vor Anker auf Schäden untersucht
·Die Ölpest
Bilder von Spaniens Katastrophen-Küste
·"Prestige"
Öl erreicht nun französische Küste
Zwei Wochen nach dem Untergang eines Autotransporters im Ärmelkanal ist ein Tanker auf das Wrack aufgefahren. Die mit 70.000 Tonnen Brennstoffen beladene "Vicky" kollidierte am Mittwochabend mit der im flachen Wasser auf Grund liegenden "Tricolor", wie die Küstenwache in Dover mitteilte. Der in der Türkei registrierte Tanker kam nach zweieinhalb Stunden mit der Flut wieder frei und ging eine Seemeile nördlich der Unfallstelle vor Anker. Dort soll die "Vicky" nun auf mögliche Risse und den Austritt von geladenem Treibstoff untersucht werden.
Der Kapitän des Tankers vermutet, dass sein Schiff nur leicht beschädigt wurde, wie ein Sprecher der Schifffahrtsbehörde in der französischen Hafenstadt Cherbourg mitteilte. Die Gefahr, dass leicht entzündliches Kerosin austreten könnte, wurde daher als gering eingestuft. Die 24 Mitglieder der Tankerbesatzung blieben an Bord. Außer Kerosin hatte die "Vicky" Agenturberichten zufolge auch Dieselöl geladen.
Eine Sprecherin der Küstenwache im englischen Dover sagte, die Schifffahrt im Ärmelkanal werde stündlich über Funk vor der Gefahrenstelle gewarnt. Der betroffene Meeresabschnitt wird jeden Tag von 400 bis 500 Schiffen passiert. Etwa 50 davon haben gefährliche Fracht wie Öl, Gas oder radioaktive Substanzen geladen. Sie kreuzen die Route von rund hundert Fähren, die zwischen Frankreich, Belgien und Südengland verkehren.
Nach Angaben der französischen Behörden befanden sich zum Zeitpunkt der Kollision zwei Schlepper und ein Patrouillenboot an der "Tricolor". Das Wrack sei zudem mit fünf Leuchtbojen markiert gewesen. Die Besatzung der "Vicky" habe sogar auf die Aufforderung des französischen Patrouillenbootes reagiert, den Kurs zu ändern. Wie es dennoch zu der Kollision kommen konnte, sei unklar, hieß es von der See-Präfektur in Dunkerque. Die Verantwortung liege letztlich beim Kapitän eines jeden Schiffes, betonte eine Sprecherin der Küstenwache.
Die "Tricolor" mit mehr als 2.800 fabrikneuen Luxuswagen an Bord war am 15. Dezember nach der Kollision mit einem anderen Schiff im dichten Nebel binnen 90 Minuten gesunken. Das norwegische Schiff liegt seitdem auf der Backbord-Seite in gut 30 Meter Tiefe auf dem Grund des Ärmelkanals, ragt bei Ebbe jedoch aus dem Wasser. Das niederländische Bergungsunternehmen Smit hatte am 22. Dezember mit dem Abpumpen der rund 2.000 Tonnen Treibstoff an Bord begonnen. Die Arbeiten waren auf zwei bis drei Wochen veranschlagt worden. Zwei Tage nach dem Untergang der "Tricolor" hatte der unbeladene deutsche Frachter "Nicola" das Wrack gerammt und war nach wenigen Stunden wieder flott gemacht worden.
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