Mittwoch, 1. Jänner 2003

EU übernimmt internationale Mission in Bosnien

  • UNO geht nach zehn Jahren
  • Wichtige Aufgabe: Kampf gegen organisierte Kriminalität

Die Mission der Vereinten Nationen in Bosnien-Herzegowina ist am Neujahrstag nach mehr als zehn Jahren zu Ende gegangen. Die Europäische Union trat am Mittwoch die Nachfolge der Blauhelm-Soldaten in der früheren jugoslawischen Kriegsrepublik an. Der EU-geführte Polizeieinsatz in Bosnien- Herzegowina soll nach EU-Angaben den Kampf gegen die Korruption und die organisierte Kriminalität in dem Balkanland verstärken.

Die EU wolle beim Aufbau einer hochprofessionellen Polizeimacht helfen, die alle Bürger beschützen solle, sagte der EUPM-Kommissar, der Däne Sven Fredriksen, bei der Amtsübergabe in Sarajewo.

900 Teilnehmer
Insgesamt sollen etwa 900 Personen an der Mission teilnehmen, die bis zum 31. Dezember 2005 angesetzt ist. 500 von ihnen sind Polizisten, 50 werden als internationale Experten entsandt. Hinzu kommen lokale Beschäftigte. Die 15 EU-Länder tragen 80 Prozent des Einsatzes. Österreich ist mit mit fünf Beamten vertreten. Darüber hinaus beteiligen sich insgesamt 18 Partnerstaaten an dem Programm: Bulgarien, Kanada, Zypern, Tschechien, Estland, Ungarn, Island, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Rumänien, Russland, die Slowakei, Slowenien, die Schweiz, die Türkei und die Ukraine.

Der scheidende Chef der UNO-Mission in Bosnien, der US-Diplomat Jacques Paul Klein, nannte am Dienstag in der Hauptstadt Sarajewo als vorrangige Aufgaben für die neue EU-Polizeimission (EUPM) die Bekämpfung des Menschenhandels und die Sicherung der bosnischen Grenzen. Das größte Hindernis für eine Versöhnung der drei bosnischen Volksgruppen, der Moslems, Serben und Kroaten, ist nach Kleins Ansicht, dass angeklagte Kriegsverbrecher wie der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic noch immer frei sind.

Bosnier übernehmen Luftraum-Kontrolle
Die bosnische Luftfahrtbehörde übernahm unterdessen am Mittwoch nach mehr als zehn Jahren die Kontrolle des zivilen Luftverkehrs über der Balkanrepublik. Die Zeremonie fand am internationalen Flughafen von Sarajewo statt. Bei Beginn des bosnischen Krieges 1992 hatte die damalige jugoslawische Volksarmee den Luftraum kontrolliert; sie wurde Ende desselben Jahres von der UNO-Schutztruppe UNPROFOR ersetzt. Während des Krieges bis 1995 wurde der Flughafen für humanitäre Flüge genutzt. Nach Kriegsende kontrollierte die NATO-Friedenstruppe SFOR den Flughafen der Hauptstadt und den gesamten Luftraum.

1.1.2003 15:19