Sonntag, 5. Jänner 2003

Messerattacke auf 16-Jährige - Verdächtiger in Haft

  • 31-Jähriger weist Anschuldigungen zurück
  • Selbstmordversuch in der Zelle

Seit Anfang Jänner hatte die Wiener Polizei im Bezirk Landstraße die Spur einen Sexualtäters verfolgt. Mitte des Monats ist ein 31-Jähriger festgenommen worden. Er steht im Verdacht, eine 16-Jährige mit einem Messer in den Hals gestochen zu haben, nachdem er sie zu vergewaltigen versucht hatte. Wenige Stunden später war eine 28-Jährige unweit des ersten Tatorts belästigt worden.

Die Messerattacke hatte sich in der Nacht auf den 4. Jänner 2003 gegen 0.40 Uhr, in der Waschküche im Wohnhaus des Mädchens in der Lechnerstraße zugetragen. Der Mann hatte Jennifer auf dem Heimweg verfolgt und war im Keller über sie hergefallen.

Die 16-Jährige musste sich ausziehen, während der Unhold onanierte. Danach stach er drei Mal auf sie ein. Das mit einem Schal an ein Heizungsrohr gefesselte Mädchen stellte sich tot. Die 16-Jährige wurde schwer verletzt. Sie wird seither psychologisch betreut.

Zweite Attacke an einem Abend
Nur etwa vier Stunden später, gegen 5.00 Uhr, stand eine 28-Jährige in der Nähe - in der Wassergasse - vermutlich dem Messerstecher gegenüber. Als sie die Eingangstür aufsperrte, folgte ihr ein Unbekannter. Im Lift begann er vor der Frau zu onanieren, ehe sie ihn aus dem Aufzug stoßen konnte.

Wegen übereinstimmender Beschreibungen der Person und der Kleidung sowie der Nähe der Tatorte gingen die Ermittler der Kriminaldirektion 1 (Gruppe Jandl) von Anfang an davon aus, dass es sich um den selben Täter handeln könnte. Seither hatten Zivilstreifen in der Gegend nach dem Verdächtigen Ausschau gehalten. Polizisten hatten Anrainern die Personenbeschreibung vorgelegt.

Verdächtiger hatte Handy des Opfers
Einige Tage später klopfen die Beamten an die Tür der Wohnung von Andreas F. (31) in der Hagenmüllergasse, nicht weit vom Schauplatz der beiden Angriffe entfernt. Dort fanden die Ermittler das Handy, das der Sextäter nach der Messerattacke auf die 16-Jährige mitgenommen hatte. Bei einer Gegenüberstellung heute, Freitag, habe das Mädchen den Verdächtigen "eindeutig" als jenen Mann identifiziert, der über sie hergefallen ist, sagte der stv. Leiter der Kriminaldirektion 1, Dr. Hannes Scherz.

Es handelt sich um einen 31 Jahre alten Beschäftigungslosen, der laut Scherz polizeibekannt ist: Der unterdurchschnittlich intelligente Mann habe kleinere Diebstähle und Körperverletzungsdelikte auf dem Kerbholz.

31-Jähriger beteuert Unschuld
Der Verdächtige weist alle Anschuldigungen zurück. Zur Tatzeit sei er zu Hause gewesen. Das Handy habe er in einem Autobus gefunden.

In der Nacht hat Andreas F. einen - nach Polizeieinschätzung "eher harmlosen" - Selbstmordversuch begangen. Er wurde beobachtet, wie er sich eine Kordel von seiner Jacke um den Hals legte und offenbar vorhatte, sich am Heizkörper zu erhängen. Der 31-Jährige blieb unverletzt.

Es wird nicht ausgeschlossen, dass es weitere Opfer gibt. Hinweise nimmt die KD1 unter der Wiener Telefonnummer (01)313-46/360-72 (Journal) entgegen. Erst in der Nacht auf Mittwoch ist laut Scherz in der Gestettengasse (Landstraße) eine 48-Jährige beim Aufsperren des Haustors von einem Mann von hinten gepackt und gewürgt worden. Als sich die Frau wehrte, lief der Unbekannte davon.

5.1.2003 12:36