Samstag, 4. Jänner 2003

Kassen: VGKK-Obmann kritisiert Gleitsmanns Pläne

  • Rainer: "Belohnungsvorschlag ist bedenklich"

Kritik an den Vorschlägen von Hauptverbands-Chef Martin Gleitsmann übte am Sonntag der Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK), Wieland Rainer. Ein Anreizsystem, wonach sparsame Kassen vom Hauptverband mit Geld belohnt werden sollen, hält Rainer für "bedenklich". "Es ist ein Schritt in Richtung Zentralisierung, wenn Geld verteilt wird, das vorher den Kassen weggenommen wurde", sagte Rainer.

Gleitsmann hatte am Samstag Vorschläge genannt, wie das Ziel, Krankenkassen-Defizite künftig zu vermeiden, erreicht werden soll. Unter anderem schlug der Hauptverbands-Chef ein finanzielles Anreizsystem vor, Qualitätskriterien bei der Vergabe neuer Kassenverträge, Tarifverhandlungen bei bestehenden Verträgen und "sanften Druck", um Ärzte dahin zu bringen, günstigere Medikamente zu verschreiben.

Zu den Kassenverträgen meinte Rainer, in Vorarlberg stünden den niedergelassenen Ärzten 22,7 Prozent aus den Beitragseinnahmen der VGKK zu. "Eine Änderung dieser Verträge wäre eine Aufforderung zur Vertragsverletzung beziehungsweise zur Vertragsauflösung", so Rainer. "Das würde einen vertragslosen Zustand zur Folge haben, unter dem die Patienten am meisten zu leiden haben", gab Rainer zu bedenken.

Ja zur Medikamenten-Einsparung
Einverstanden ist Rainer mit der Einsparung bei Medikamenten. Doch auch dieses Thema müsse differenziert betrachtet werden. "Auf jeden Vorarlberger entfallen pro Jahr 285 Euro an Medikamenten, in anderen Bundesländern ist dieser Betrag wesentlich höher." Es müsse hinterfragt werden, ob dies an der Bevölkerungsstruktur oder an kostenbewussteren Ärzten in Vorarlberg liege, meinte der VGKK-Obmann.

Der Hauptverband müsse eigentlich wissen, dass einheitliche Zielsetzungen für alle Krankenkassen in Österreich "ein Unding" seien, wetterte Rainer. Zielvereinbarungen mit den einzelnen Sozialversicherungen seien "grundsätzlich sehr gut". Aber die Aufgabe des Hauptverbandes sei es, so Rainer, gemeinsam mit den Ländern und Sozialversicherungen Ziele zu erarbeiten, die erreichbar sind. "Sonst sind es keine Zielvereinbarungen, sondern Befehle", betonte der Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse.

4.1.2003 13:18