Freitag, 3. Jänner 2003

Nach dem Glatteis kam der Sturm

  • Windspitzen bis 120 Stundenkilometer
  • Vor allem Nieder-, Oberösterreich und Vorarlberg betroffen

Wettermäßig bleibt den Österreichern derzeit - außer Schnee bisher - nichts erspart: Machte der Alpenrepublik gestern, Donnerstag, das Glatteis zu schaffen, war es am Freitag der Sturm. Mit Böen in Orkanstärke fegte das Sturmtief "Calvann" über Ostösterreich hinweg - in Wien wurden bis zu 120 km/h gemessen. Zahlreiche Einsätze für die Feuerwehren waren die Folgen, die Sachschäden waren vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich und Vorarlberg groß.

In Niederösterreich verzeichneten die Feuerwehren im Zusammenhang mit dem Sturm etwa 120 Einsätze. An die 1.000 Kräfte waren - vorwiegend im Zeitraum 3.00 bis 8.00 Uhr - ausgerückt. Feuerwehrsprecher Jörg Würzelberger nannte die Bezirke Melk und St. Pölten sowie das Waldviertel als Haupteinsatzgebiete. Im Laufe des Vormittags waren die Arbeiten der freiwilligen Helfer weitgehend abgeschlossen.

Von etwa 4.00 bis 4.45 Uhr war die B 18 auf dem Gerichtsberg im Bezirk Lilienfeld gesperrt. Ein Baum war umgestürzt. Im Gemeindegebiet von Lilienfeld hatte der Sturm eine Jagdkanzel auf eine Landesstraße gefegt. Wegen umgestürzter Bäume musste ab 6.45 Uhr die Landesstraße zwischen Griechenberg und Weyersdorf im Bezirk St. Pölten gesperrt werden. Im Bezirk Gmünd musste die Böhmerwaldbundesstraße gesperrt werden. Betroffen war in Niederösterreich auch die Bahn: In die Fahrleitung gestürzte Bäume sorgten ab 3.28 Uhr für eine Unterbrechung der Franz Josefs-Bahn im Waldviertel im Abschnitt Schwarzenau - Allentsteig. Bäume waren auch auf die Bahnlinie im Abschnitt Pöchlarn - Erlauf gestürzt. In St. Pölten sorgte ein Baum in der Oberleitung für eine Unterbrechung der Mariazellerbahn.

Zahlreiche Schäden richtete der Sturm in Oberösterreich an. Bäume wurden entwurzelt, Stromleitungen abgerissen, einige Häuser abgedeckt. Rund 550 Feuerwehrmänner mussten ausrücken, um die Schäden zu beseitigen. In der Linzer Innenstadt wehte der Sturm eine Punschhütte von der Terrasse eines Einkaufszentrums. Die Hütte stürzte drei Stockwerke in die Tiefe, beschädigte eine Straßenlaterne und wurde am Pflaster der Fußgängerzone zertrümmert. Besonders betroffen waren die Bezirke Braunau, Ried, Schärding, Grieskirchen, Eferding, Rohbach, Urfahr-Umgebung und Freistadt.

Großes Glück im Unglück hatte ein 32-jähriger Autolenker in Kleinzell (Bez. Rohrbach). Der Mann war mit seinem Pkw gerade Richtung Linz unterwegs, als eine Fichte auf sein Fahrzeug stürzte. Der Lenker blieb unverletzt, sein Auto wurde erheblich beschädigt, so die Sicherheitsdirektion für Oberösterreich.

In Vorarlberg richtete der Sturm mit Spitzen bis zu 100 km/h vor allem im Rheintal erhebliche Schäden an. Vor allem im Raum Dornbirn und Bregenz wurden Straßen durch umgestürzte Bäume blockiert und Hausdächer abgedeckt.

Noch am Freitag sollte sich der Wind legen. Im Laufe des Samstags sollte er auf Norden drehen. Eiskalte Luft aus Skandinavien und Russland wird nach Österreich strömen. Begleitet wird die Kälte von Regen- und Schneewolken, und damit dürfte es auch mit der weißen Pracht endlich etwas werden.

3.1.2003 14:17