Viennabike: Chorherr attestiert Schicker Dilettantismus
- Angekündigter Neustart Anfang April sei unwahrscheinlich
- Schicker will bis Ende Jänner über Betreiber entscheiden
Heftige Kritik an Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker kam von den Wiener Grünen: Dieser habe sich in der Frage der Viennabikes "extrem dilettantistisch" verhalten, so Klubobmann Christoph Chorherr. Das rot-grüne Projekt sei durch die Absage Schickers an den Betreiberverein Anfang Dezember gefährdet. Der Stadtrat wies die Vorwürfe zurück und kündigte einen Neustart für den 1. Mai an.
Chorherr präsentierte auch ein neues Sperrsystem für die Gratisleihräder. Am Anfang einer Saison könne man sich dabei einen Schlüssel gegen ein Pfand in der Größenordnung von 20 bis 40 Euro ausleihen: "Die Einstiegsschwelle mit zwei Euro ist zu gering." Auch eine Ausweispflicht sei in dem neuen Modell, dass bereits der bisherige Betreiberverein entworfen habe, vorgesehen.
Chorherr bezweifelte, dass der geplante Neustart der Wiener Gratisfahrräder wie geplant Anfang April durchgeführt werden könne. Einerseits, weil die Produktion der Schlösser eine bestimmte Vorlaufzeit in Anspruch nehme, andererseits, weil für einen neuen Betreiber zu finden, eine EU-weite Ausschreibung nötig sei. Gerüchte, dass jetzt ein SPÖ-naher Betreiber das Projekt übernehmen soll, wolle er zumindest "nicht dementieren". Für den Verein Viennabike, der sich im Dezember von der Aktion zurückgezogen hat, hatte er nur Lob übrig: Dieser habe sich "mit sehr viel Engagement" für das Projekt eingesetzt.
Alles in allem seien die Viennabikes ein Erfolg gewesen, glaubt der Grüne Klubobmann: Über Wien sei international "neben dem Neujahrskonzert", kaum soviel berichtet worden, wie im Zusammenhang mit den Gratisleihrädern. "Das höchste Gut", die öffentliche Aufmerksamkeit, sei über Monate hinweg auf die Viennabikes gerichtet gewesen. Auch die beiden großen Sponsoren seien weiterhin bereit, etwa 300.000 Euro für Werbeflächen auszugeben.
Der Planungsstadtrat habe "schlampig" gehandelt, so Chorherr: Deswegen seien jetzt auch die Ständer für die Leihräder in Vereinsbesitz.
Schickers Reaktion
Planungsstadtrat Schicker reagierte per Aussendung: Darin kündigte er an, bis Ende Jänner über einen neuen Betreiber zu entscheiden. Ab 1. Mai seien die Gratisleihräder wieder im Einsatz.
Ein Sprecher des Stadtrates betonte gegenüber der APA, dass für die Weiterführung keine EU-weite Ausschreibung nötig sei. Diese sei nur vorgesehen, wenn die Stadt Wien einen Auftrag vergebe. Im Fall der Gratisleihräder werde aber nur über Subventionen entschieden. Derzeit sind laut Stadtrats-Büro rund zehn Bewerber im Gespräch.
In wessen Besitz die Ständer seien, werde derzeit von Experten geklärt, hieß es aus dem Stadtratbüro. Bis Ende Jänner erwarte man sich ein Ergebnis. Zur Kritik der Grünen an Schicker meinte der Sprecher: "Statt Parteipolemik zu verbreiten, wollen wir lieber arbeiten."
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