Montag, 30. Dezember 2002

2003 könnte Negativ-Serie an Leitbörsen enden

  • Globale Konjunkturerholung im US-Schlepptau erhofft

Das "Damoklesschwert" Irak-Krieg einmal ausgeklammert: Nach drei Jahren Aktienbaisse in Folge hoffen heimische Aktienanalysten auf ein Comeback der Weltbörsen im kommenden Jahr. Die meisten Volkswirte geben grünes Licht für ein Anspringen der Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr 2003 unter Führung einer Konjunkturlokomotive USA. "Es schaut so aus als würden zumindest die USA ein halbwegs vernünftiges Wachstum zu Stande bringen", meint RZB-Analyst Helge Rechberger.

Das ist laut Kommentaren einiger Analysten auch notwendig, um das positive Gewinnwachstum der US-Unternehmen seit dem zweiten Quartal 2002 fortzusetzen. Denn laut Monika Rosen vom Asset Management der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) ist der "Dreh ins Plus" bei den US-Unternehmensgewinnen hauptsächlich durch Kosteneinsparungen zu Stande gekommen. Nun werde Umsatzwachstum benötigt, um den positiven Trend auch kommendes Jahr fortsetzen zu können. "Wir brachen 2003 ein Anspringen der Ausrüstungsinvestitionen", fasst Rosen zusammen.

Ricardo Aitzetmüller da Cruz von der Erste Bank sieht die Weltwirtschaft zur Zeit am Tropf der USA hängen: "Die Konjunktur steht und fällt mit der USA." In Europa und in Japan sei die Binnennachfrage zu schwach. Sollte es zur erwarteten US-Konjunkturerholung durch eine Trendwende bei den Investitionen kommen, sieht da Cruz über das Umsatzwachstum sogar eine "Hebelwirkung auf die Unternehmensgewinne" nach den jüngsten Kosteneinsparungen.

Bis zu einer Lösung des Irak-Konflikts geben sich die Experten aber noch zurückhaltend: "Ohne Krieg im Irak könnte das erste Quartal gut verlaufen", glaubt Rechberger. An der Seitwärtstendenz der Börsen von zuletzt werde sich nichts ändern solange im Irak keine Entscheidung fällt, meint da Cruz, die Irak-Krise hänge wie ein "Damoklesschwert" über den Märkten. Derzeit sei ein kurzer, regional begrenzter Irak-Krieg in den Märkten eingepreist.

Nach drei Jahren Aktienbaisse sind auch die Experten trotz einiger Lichtblicke für 2003 zurückhaltender geworden: "Der Aktienmarkt hat sich noch nicht nachhaltig erfangen", gibt Rosen zu bedenken. "Wir sind noch nicht durch", kommentiert Rechberger.

30.12.2002 16:25