Montag, 30. Dezember 2002

Überfliegerin Kostelic - 90% genügen, um zu siegen

  • Kroatin liegt zum Jahreswechsel 436 Punkte vor der Konkurrenz
  • Vom Gesamt-Weltcup will sie aber noch nichts wissen

Österreichs Slalom-Damen hängten am Montag noch eine Zusatz-Frühschicht auf der Semmering Weltcup-Piste an, Janica Kostelic ruhte sich hingegen auf ihrem 17. Weltcupsieg und den fast 35.000 Euro aus, die sie allein am Semmering gescheffelt hatte. Auf eine ausschweifende Feier verzichtete die 20-jährige Weltcup-Überfliegerin, weil sie seit Juni keinen Alkohol trinkt. "Die Kopfschmerzen von damals spür ich heute noch", scherzte die Kroatin gut gelaunt nach der weiteren Demonstration ihrer Slalom-Extraklasse. Besonders deprimierend für die Konkurrenz: "90 Prozent genügen meist..."

Fast hätte sie mit ihrem vierten Saisonsieg noch vor dem Jahreswechsel die Tausend-Punkte-Marke geknackt, bei 955 Punkten und 436 Zählern Vorsprung auf die Konkurrenz kann aber wohl nur sie selbst einen neuen Punkte-Rekord im Weltcup (bisher Pernilla Wiberg 1.960) verhindern, wenn sie entgegen ihrer Absicht doch nicht alle Saisonrennen bestreitet. "Gut möglich, dass ich irgendwann doch eine Pause einlege, denn irgendwann werde auch ich müde werden. Alles andere würde mich überraschen. Ich bin ja auch nur ein Mensch und keine Maschine", gestand Janica.

An der Grenze zwischen schnell und sicher
Der zweite Weltcup-Gesamtsieg wird ihr trotzdem kaum zu nehmen sein, so ferne keine Verletzung dazwischen kommt, aber damit ist bei Fräulein Konstanz mittlerweile nicht mehr unbedingt zu rechnen. Die Kroatin fährt derzeit derart überlegen Ski, dass sie nicht einmal alles geben muss, sogar Fehler machen kann und trotzdem gewinnt. "Wenn ich jedes Mal so attackiere wie eine Anja Pärson, mache auch ich Fehler. Ich hasse es aber auszufallen", erklärte Kostelic. "Ich fahre deshalb genau an der Grenze zwischen schnell und sicher, denn irgendwo wartet immer ein Fehler."

"90 Prozent genügen meist"
Ein Grenzbereich, der zumindest im Slalom locker für Seriensiege reicht und deutlich unter dem liegt, wozu die derzeit beste Allrounderin im Weltcup fähig wäre. "90 Prozent genügen meist", lässt Kostelic der Konkurrenz nicht viel Hoffnung. Sie fährt in dieser Disziplin längst in einer eigenen Liga, unvergessen sind ja ihre acht Slalom-Siege bei neun Rennen in der Saison 1999/2000. "Aber es schaut nur so leicht aus, ganz so einfach ist es nicht", so Kostelic.

Dass sie den Weltcup schon so gut wie gewonnen habe, damit will sich Janica hingegen (noch) nicht anfreunden. "Ich weiß, dass ich einen großen Vorsprung habe und dass ich in guter Form bin. Ich wollte im alten Jahr einfach einen guten Job machen. Aber mal schauen, was das neue Jahr bringt", erklärte sie ihre momentane Überlegenheit.

Keine Zeit für Partys
In selbiges hinein gehen wird sie in der Innerkrems, wo sie mit ihrem Bruder Ivica vor dem Jahreswechsel noch trainieren will. Die Champagner-Korken werden freilich auch am Silvesterabend kaum knallen. "Erstens bin ich von Weihnachten noch echt geschlaucht, außerdem habe ich keine Zeit für Partys. Man muss doch professionell sein", meinte sie mit einem Augenzwinkern. "Ich werde Mitternacht wohl verschlafen!"

30.12.2002 08:51