Montag, 30. Dezember 2002

Primoz Peterka gewinnt Neujahrsspringen 2003

  • Andi Goldberger und Adam Malysz ex aequo Zweiter

2003 hat begonnen! Und Stürze und Umstürze prägten am Neujahrstag das zweite Springen der Vierschanzen-Tournee. Die große Überraschung: Ein Sieg des Slowenen Primoz Peterka in Garmisch-Partenkirchen beendet Sven Hannawalds Triumphzug. Auf Rang zwei folgte - ex aequo mit dem Polen Adam Malysz - der wiedererstarkte Andreas Goldberger.

Die Sieges-Serie von Sven Hannawald bei diesem Saisonhöhepunkt ist nach fünf Tages-Erfolgen en suite gebrochen. Der deutsche Titelverteidiger riskierte in Garmisch-Partenkirchen im zweiten Durchgang alles, stürzte bei 124 Metern und landete nur auf Rang zwölf. Der Sieg ging überraschend an den 23-jährigen Slowenen Primoz Peterka vor den ex aequo auf Platz zwei liegenden Andreas Goldberger und Adam Malysz.

Goldberger landete zum dritten Mal in dieser Saison auf dem Podest, er verfehlte seinen ersten Sieg seit 9. März 1996 (Harrachov) nur um 3,5 Zähler. Mit dem fünften Tagesrang hievte sich der Finne Janne Ahonen, der zwar mit 129 Metern die absolute Tageshöchstweite erzielte, aber auch im Auslauf stürzte, an die Spitze der Gesamtwertung, in der kaum ein Stein auf dem anderen blieb. Ahonen führt nun mit 513,1 Zählern vor Peterka (504,3) und dem Vierten von Garmisch, Roar Ljökelsöy aus Norwegen.

"Dass muss ein Super-Wettkampf für die Zuschauer gewesen sein, auch wenn das K.o.-System für uns etwas komisch ist, wenn wechselnder Wind ist. Der Aufsprung war nach der Abkühlung etwas rutschig, doch bei den Stürzen ist Gottseidank nichts passiert", sagte Goldberger. Mit dem Resultat war er sehr zufrieden. "In Oberstdorf habe ich mit dem Wind Pech gehabt, dafür hatte ich heute auch etwas Glück. Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber wir haben heuer ja noch ein paar Wettkämpfe", freute sich der 30-jährige Oberösterreicher, der wie in Titisee-Neustadt (2.) und Engelberg (3.) unter die Top 3 sprang.

Geschätzte 35.000 Zuschauer im überfüllten alten Olympia-Stadion von Partenkirchen schrien auf vor Enttäuschung, als Hannawald nach einem Supersatz auf 124 m einen der fünf allesamt glimpflich verlaufenen Stürze im ruppigen Aufsprung verzeichnete. "Ich habe alles riskiert, aber es ist daneben gegangen", meinte der Siebente des ersten Durchgangs, der es nun nicht geschafft hat, als Erster sogar sechs Tournee-Springen en suite für sich zu entscheiden. Als Gesamt-Vierter bleibt er aber im Rennen um den Gesamtsieg.

Das gilt auch für Martin Höllwarth, auch wenn er sich für den Jahresbeginn einiges mehr als Rang zehn ausgerechnet hatte. Garmisch-Partenkirchen war einmal mehr kein guter Boden für den 28-jährigen Weltcupleader. "Das war heute nicht mein Tag. Garmisch ist nicht meine Schanze", war der erste Kommentar von Höllwarth, dessen Sturz im ersten Durchgang nicht als solcher gewertet worden war, weil er die "Ziellinie" gerade noch überfahren hatte. Wenn man sich nach dieser Linie in den Schnee setzt, wird das vernachlässigt. Dadurch gewann Höllwarth das Duell mit Martin Schmitt, der seinerseits knapp als einer der Verlierer des K.o.-Durchgangs gar nicht ins Finale aufstieg.

Primoz heißt übersetzt der Erste - und am 1.1. des Neuen Jahres war er die wieder die Nummer eins. Peterka hatte auch schon vor vier Jahren in Garmisch-Partenkirchen den Siegerscheck eingestreift und damals am Ende sogar die Gesamt-Tourneewertung gewonnen. Mit seinem Sieg beim Weltcup-Auftakt in Kuusamo hatte Peterka bewiesen, dass er wieder zu seiner früheren Form gefunden hat, die ihn sogar schon zwei Mal zum Gesamt-Weltcupsieger (96/97 und 97/98) hat werden lassen. "Es war eine harte Zeit, in der ich unten war, jetzt freue ich mich einfach wieder da zu sein", sagte Peterka. "Ich freue mich brutal für ihn, denn er hat es in den vergangenen vier Jahren auch nicht leicht gehabt", meinte Goldberger dazu.

Österreichs so starke Mannschaft liegt zwar nicht im absoluten Spitzenfeld, doch mit den Gesamträngen sechs durch Höllwarth, sieben durch Goldberger und acht durch den jungen Andreas Kofler liegt ein Trio zur Halbzeit etwas mehr als 20 Punkte zurück. Allerdings müsste freilich einiges passieren, doch auch Garmisch brachte ja einen Umsturz. "Nach Oberstdorf hatte ich die Gesamtwertung eigentlich abgehakt, aber heute ist so viel passiert. Wäre Ahonen nicht gestürzt, dann hätte er sich abgesetzt. Aber jetzt ist wieder alles offen." Cheftrainer Hannu Lepistö sprach von einer "Windlotterie". "Der Anlauf war im zweiten Durchgang zu lang, weil der Wind wieder gewechselt hat", sagte der finnische ÖSV-Trainer.

30.12.2002 12:27