Montag, 30. Dezember 2002

Rudern: ÖRV mit neuem Elan und Härte in neue Saison

  • Aktive werden an die kurze Leine genommen

Das insgesamt enttäuschende Abschneiden bei den Ruder-Weltmeisterschaften im September in Sevilla hat die Verantwortlichen im ÖRV aufgeschreckt. Nach gründlicher Analyse des Geschehenen wurde praktisch das ganze System umgestellt. Das Training wird viel mehr als bisher vom Verband gesteuert, die Athleten von der langen an die kurze Leine genommen, der Spielraum für die Aktiven verkleinert, diesen klare Vorgaben gegeben.

"Wir haben ein Kontrollsystem eingerichtet, die Bedingungen müssen erfüllt werden, von den Junioren bis zu den Senioren, nur bei entsprechenden Trainingsergebnissen gibt es auch internationale Beschickungen", betont Oberkontrolleur, Cheftrainer Martin Kessler. Die Aktiven hätten dies auch nach einigen Diskussionen akzeptiert. Mit Stufen- und 6000 m-Tests am Ergometer müssen die Ruderer ihren Leistungsstandard schon "im Trockenen" nachweisen.

Der neunte Platz des als Titelverteidigers in die WM gegangenen Leichtgewichts-Vierers ohne mit Martin Kobau, Wolfgang Sigl, Bernd Wakolbinger und Sebastian Sageder war für die Medaillenanwärter, die immerhin vorher im Weltcup drei Mal Rang drei belegt hatten, ein besonderer Tiefschlag gewesen. Zu diesem Quartett stieß nun auch wieder Helfried Jurtschitsch, der dieses Jahr nach einer Auszeit ein Comeback - in einem LG-Doppelvierer - gefeiert hatte, ein Boot, das allerdings auch nicht die notwendige Qualität gezeigt hatte. Ein gewisses Problem könnte es mit Sageder geben, der an belastungsinduziertem Asthma leidet.

Mit dem Flop von Olympia Sydney war der "schwere Bereich" im ÖRV fast untergegangen. Nur Einzelkämpfer Ralph Kreibich, dessen sechster WM-Platz im Einer das Erfreulichste von Sevilla aus österreichischer Sicht gewesen war (Kessler: "Eine tolle kämpferische Leistung des Salzburgers") und Raphael Hartl, der bei der WM mit Christof Uhl im Doppelzweier Rang elf (Kessler: "Vielleicht nicht die Platzierung, aber die Leistung war in Ordnung") hielten die Fahne hoch.

Nun stieß mit Norbert Lambing auch wieder der "beste Schlagmann, den man sich denken kann" (Kessler) nach langer Krankheit (Pfeiffersches Drüsenfieber) zum Kader. Dazu kommen noch Junge wie Bernhard Pfaller (Ottensheim), Paul Klemenc (Pirat), Werner Vogl (Krems) und Christian Riess (Steyr). Ein Schwerer Doppelvierer ante portas? Offen ist derzeit noch, ob Horst Nußbaumer auf die Regattastrecke zurückkehrt. Der Gmunder testet derzeit in Neuseeland seine Bereitschaft zu einem eventuellen Comeback. Bei den Frauen tragen weiterhin Monika Felizeter, Barbara Pirker, Karola Schustereder, Martina Miesgang, Caroline Sturm und Michaela Taupe die ÖRV-Hoffnungen.

Ein Teil der Ruderer wird sich ab 31. Jänner zehn Tage lang auf Einladung bei Antalya vorbereiten, Trainingslager für alle Kader-Mitglieder sind dann vom 10. bis 24. Februar (mit Regattarennen) und vom 10. bis 24. März in Sevilla vorgesehen. Dazwischen liegt die österreichische Indoor-Meisterschaft am 9. März in Salzburg. Der Kleinboottest ist für 24. April auf der Neuen Donau in Wien angesetzt. Beschickt werden dann die Weltcup-Regatten in Mailand (dort finden Ende August auch die Weltmeisterschaften statt), München und Luzern. Auf dem Rotsee sind gleichzeitig die Quotenplätze für Olympia in Athen zu erkämpfen.

30.12.2002 09:48