Bankökonom: Euro-Teuerung ist überschätzt
- BA-CA: Ohne € wäre Preissteigerungsrate unwesentlich geringer
- Euro-Preiseffekte in anderen Ländern viel stärker
Für Überraschung hat ein mediales "Geständnis" des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) auch bei Bankökonomen geführt. EZB-Chef Wim Duisenberg hatte erstmals eingeräumt, dass die Einführung des Euro zu Preissteigerungen geführt hat. "Wir haben nicht deutlich zugegeben, dass der Wechsel zu einem leichten Anstieg der Preise geführt hat", sagte er der Wirtschaftszeitung "Financieel Economische Tijd" zufolge. "Wir hätten ehrlicher sein sollen". Verwunderung dazu bei BA-CA-Ökonom Stefan Bruckbauer: Gerade der Chef der EZB müsste wissen, wie seine Worte in der Öffentlichkeit ankämen, meinte Bruckbauer am Freitag zur APA.
Inhaltlich sage Duisenberg zum Euro-Effekt zwar nichts anderes als alle Statistiken seit einem halben Jahr auswiesen. Der Bankökonom räumt jedoch ein, dass die anfangs anders argumentierende EZB damit ein vorhandenes subjektives Inflationsgefühl noch verstärken könnte. Bruckbauer: "Der Euro wird als Teuro absolut überschätzt."
Eine Geldentwertung habe die Euro-Einführung nicht gebracht, betont auch der BA-CA-Volkswirtschafter in einer am Freitag veröffentlichten Analyse. Dass in Bereichen, die vom Konsumenten täglich registriert und verglichen würden, die Preise zum Teil überdurchschnittlich stiegen, habe zwar den Eindruck vom Euro als "Teuro" erweckt. Zu Unrecht, wie Bruckbauer urteilt: Erstens stiegen diese "sensiblen" Preise in Österreich geringer als im Schnitt der Euro-Zone, teilweise auch weniger stark als in Drittländern - "und das schon seit 5 bis 10 Jahren".
Euro-Preiseffekt in Österreich gering
In der Bank Austria-Creditanstalt-Volkswirtschaft wird eingeräumt, dass die "Euro-Effekte" in manchen Ländern der Eurozone "relativ groß" seien - im Durchschnitt dreiviertel bis einen Prozentpunkt ausmachten. In Österreich dürfte der Euro-Preiseffekt in der Inflationsrate lediglich einen Viertel-Prozentpunkt bis höchstens 0,3 Prozentpunkte ausmachen, schätzt die BA-CA. Bei der gegenwärtigen Inflation hieße dies, dass die Preise ohne Euro-Preisumstellung in Österreich möglicherweise um ein Fünftel weniger angestiegen wären.
Allerdings, so betont die BA-CA-Volkswirtschaft, hätte vor mehr als einem Jahr allein der Ölpreis einen zwei- bis dreimal so hohen Effekt auf die nationale Inflation gehabt. Die BA-CA selbst sei zum Start des neuen Bargeldes im Jänner pessimistischer gewesen, habe einen Teuerungsschub von einem halben Prozentpunkt erwartet. In Relation zum historischen Projekt der Währungsumstellung wären die jetzt erwarteten 0,25 bis 0,3 Prozentpunkte mehr Teuerung in Österreich eigentlich "nichts", so Bruckbauer. Gerade im Lebensmittelhandel, wo alle Teuerungen befürchtet hätten, sei praktisch nichts passiert, vor allem dank Wettbewerb und Konsumentenschutz.
Teuere Preise oft keine Euro-Phänomene
Dass die Preise für manche Güter und Leistungen des täglichen Gebrauchs stärker stiegen als andere, sei im übrigen kein Phänomen des Euro, so die BA-CA. Dienstleistungspreise würden schon seit vielen Jahren "relativ" stärker steigen, da hier höhere Kosten nicht voll durch höhere Produktivität ausgeglichen werden könnten - in den Euroländern ebenso wie sonstwo in Westeuropa. So seien zwar die Preise etwa für einen Friseurbesuch in Österreich seit Herbst 2000 um 7 Prozent und im Euroraum um 10 Prozent angestiegen, in den Nicht-Euroländern jedoch um mehr als 10 Prozent. Auch im Gastgewerbe oder bei Nahrungsmitteln sei es in Nicht-Euro-Ländern seit Herbst 2000 zum Teil spürbar stärker teurer geworden als hierzulande.
Wegen der Euro-Einführung und der damit verbundenen genaueren Preisbeobachtung wurde das Phänomen jedoch stärker registriert als früher, so die BA-CA. So stiegen die Preise in jenen Bereichen, die seit Herbst 2000 die höchsten Preissteigerungen hatten, großteils auch im Zeitraum 1995 bis 2000 stärker als der Durchschnitt. Viele Dienstleistungen, der Friseur oder das Gastgewerbe hatten auch zwischen 1995 und 2000 Preissteigerungen über der durchschnittlichen Inflationsrate.
EZB-Präsident Duisenberg hatte in dem Aufsehen erregenden Interview eingeräumt, dass er die Preisentwicklung deutlicher hätte darstellen müssen. "Dann hätten wir auch erklären können, dass die Auswirkungen auf den gesamten Warenkorb begrenzt sind".
Anhand der "Warenkörbe" hat zum ersten Jahrestag der Euro-Bargeldeinführung die BA-CA den Einfluss der Euro-Umstellung auf die Preise in Österreich untersucht. Sie verglich die Teuerungen in den letzten beiden Jahren mit anderen europäischen Ländern, die den Euro nicht einführten. Ihr Fazit: Auch wenn es, wie erwartet, es vereinzelt relativ starke Preissteigerungen gab, dürfte die Euroeinführung in Österreich im Durchschnitt kaum die Preise erhöht haben. "Unsere Inflation lag in den letzten beiden Jahren nur um einen Viertel-Prozentpunkt höher als in Nicht-Euro-Ländern" so die BA-CA. Österreich zähle damit neben Deutschland, Frankreich, Belgien und Finnland zu jenen Ländern mit den geringsten Euroeffekten.
Weit höher sind die "Euro-Effekte" in Ländern mit grundsätzlich höherer Teuerungsrate: So dürfte nach BA-CA-Berechnungen der Euro im Durchschnitt in Italien zu einer Preiserhöhung um mehr als einen Prozentpunkt, in Spanien 2 Prozent, in Irland, Griechenland und Portugal sogar mehr als 2 Prozentpunkte beigetragen haben. Im Euroraum dürfte der Europreiseffekt bei rund einem einem Prozentpunkt liegen. Im Durchschnitt der Länder (unabhängig von der Größe des Landes) lag er sogar bei fast 2 Prozentpunkten. Allerdings haben manche dieser Länder aufgrund ihres niedrigen Preisniveaus generell höhere Inflationsraten, was auch mögliche Europreiseffekte "begünstigte", stellt die BA-CA dazu fest.
Insgesamt seien die Preise in Österreich seit dem Herbst 2000 um 4 Prozent gestiegen - damit weniger stark als im gesamten Euroraum mit 5,5 Prozent (ungewichtet). Im selben Zeitraum seien jedoch auch in den Nicht-Euro-Ländern Westeuropas die Preise mit 3,7 Prozent nur wenig langsamer angewachsen als in Österreich.
Dass in vielen Ländern Beteuerungen hinsichtlich niedriger Euro-Effekte bezweifelt werden, hat nach Meinung der Ökonomen der BA-CA seinen Grund darin, dass in manchen Bereichen die Preise "deutlich" stiegen. So stiegen in Österreich etwa die Kosten für Bücher und Zeitungen mit fast 9 Prozent, für Reparaturen von Haushaltsgeräten mit 8 Prozent, für den Friseur mit 7 Prozent, für den Gasthausbesuch oder Lebensmittel mit 6 Prozent, für häusliche Dienstleistungen und Freizeitdienstleistungen mit 5 Prozent stärker als der Durchschnitt. "Das sind alles Preissteigerungen, die im täglichen Leben stark spürbar sind, auch wenn sie weniger als die Hälfte der Haushaltsausgaben ausmachen", so die Bankanalyse. Wohnen wurde seit Herbst 2000 um 2,5 Prozent teurer, Einrichten um 3 Prozent. Im Verkehr habe es Preissteigerungen um 2 Prozent gegeben, bei Bekleidung und Nachrichtenübermittlung um 1 Prozent, was deutlich unter dem Schnitt gelegen sei. Dies sind jedoch im täglichen Leben nicht so stark spürbare und vergleichbare Preise.
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