Euro gelang 2002 Trendwende
- Auslöser: Aktienbaisse und Irak-Krise
- Dollar leidet weiter unter Konjunkturschwäche & Kriegsängsten
Weiteres Potenzial nach oben bescheinigen heimische Devisenexperten dem Euro im kommenden Jahr, nachdem die europäische Einheitswährung 2002 neue Dreijahreshochs gegen den Dollar erreicht hat. Ob gegenüber dem US-Dollar, dem Schweizer Franken oder dem japanischen Yen, heimische Analysten sind sich einig: Die Gemeinschaftswährung wird im neuen Jahr weiter zulegen können. Der Dollar dürfte im Gegenzug weiter unter den schwachen Aktienbörsen und Kriegsängsten leiden.
"2002 war das Jahr des wiederentdeckten Euro", freut sich der Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB) Peter Brezinschek, "oder des Verblassens des alles überstrahlenden Dollars." Die Kurseinbrüche am Aktienmarkt und die höheren europäischen Zinsen hätten in einem Umfeld gesteigerter Risikoaversion die Kapitalströme in den Euro gelenkt, so Brezinschek.
Bis Anfang 2002 habe der Euro gegen den US-Dollar seitwärts tendiert, im April kam dann die lange erwartete Trendwende, fasste der Erste Bank-Devisenexperte Rainer Singer zusammen. Einerseits sei der Aktienmarkt noch einmal eingebrochen. Verbunden mit den Bilanzierungsskandalen und der verschärften Kriegsrhetorik führte dies zu einer Abwärtsbewegung des Dollar.
Abwertungstrend des Dollar noch nicht vorbei
Der Abwertungstrend des Dollar sei aber noch nicht zu Ende, sind die RZB-Experten überzeugt. Die dafür verantwortlichen Faktoren werden die Wirtschaft auch 2003 begleiten. Zu nennen wären das rasant steigende US-Leistungsbilanzdefizit von rund fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes, die negativen Realzinsen am US-Geldmarkt und die Politik der US-Notenbank Fed, die "offensichtlich bereit ist, einen schwächeren US-Dollar herbeizuführen, wenn dadurch das Deflationsrisiko reduziert werden kann".
Die RZB rechnet ebenso wie die Erste Bank mit weiteren Zugewinnen des Euro bis auf 1,05 Dollar. Doch während die Erste Bank den Euro im ersten Quartal 2003 noch "knapp um die 1" notieren sieht, ortet die RZB im selben Zeitraum die Möglichkeit eines Anstiegs auf kurzfristig bis zu 1,10 Dollar. "Danach wäre im Rahmen einer Beruhigung des internationalen Umfelds im zweiten Quartal eine vorübergehende Atempause durchaus verständlich", prognostiziert die RZB. Aber auch ein glimpflich beendeter Irakkrieg werde dem Dollar nicht nachhaltig Kursfantasie verleihen.
Krieg-Ängste halten Schweizer Franken auf hohem Niveau
Die Ängste in Verbindung mit dem Irak-Konflikt hatten auch den Schweizer Franken auf einem sehr hohen Niveau gehalten, berichtet der Erste Bank-Analyst Rainer Singer. "1,45 Franken je Euro dürfte aber die Schmerzgrenze gewesen sein", weshalb die Schweizer Nationalbank im Juli die zweite Zinssenkung um 50 Basispunkte im Jahr 2002 vornahm. Der Franken sei immer zwischen 1,45 und 1,49 Euro gependelt und war dabei als "klassische Fluchtwährung" immer relativ fest, so Singer. Im Zuge der erwarteten Beilegung der Krise im Irak und angesichts der schwachen Schweizer Wirtschaft rechnen die Erste Bank-Devisenanalysten mit einem leichten Auftrieb des Euro im Vergleich zum Franken. Pessimistischer sieht die RZB die Entwicklung des Franken. Nach der Beendigung des Konflikts sollte "der Franken nachhaltig unter Druck geraten". In Folge könnte der Euro im zweiten Halbjahr 2003 auf 1,50 Franken aufwerten.
Der japanische Yen hat 2002 gegen den Euro verloren, im Vergleich zum US-Dollar aber zulegen können. Ab September sei er aus seiner Trading Range ausgebrochen. Da die Exporte litten, versuchte man den Yen mit Rhetorik abzuschwächen. "Und es gelang", kommentierte Singer. 2003 dürften sich die Veränderungen in Grenzen halten und der Euro innerhalb einer Bandbreite von 120 und 125 Yen notieren.
Die RZB sieht hier mehr Aufwärtspotenzial des Euro. Es sei kein Ende der expansiven Geldpolitik in Sicht und der Yen somit bei 130 Euro zu erwarten. Risikofaktoren für einen stärkeren Yen blieben dennoch in Form der japanischen Leistungsbilanzüberschüsse und der hartnäckigen Deflation bestehen. Auch werde eine eventuelle Abwertung des Yen nicht geradlinig verlaufen, sondern von "starken Schwankungen in beide Richtungen begleitet" werden.
Grundsätzlich sei laut Brezinschek 2003 der Euro weiter interessant. Im Windschatten der Gemeinschaftswährung dürften sich aber auch osteuropäische Währungen wie der polnische Zloty oder der ungarische Forint "gut entwickeln".
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