Liebscher zu Euro-Einführung: "Nichts verschleiert!"
- OeNB-Chef überrascht über Duisenberg-Zitate
- Möglicherweise subjektives Gefühl anfangs unterschätzt
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Fehler in der Beurteilung der Inflation nach Einführung der Euro hat der Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, erstmals zugegeben. "Wir haben nur zögernd zur Kenntnis genommen, dass die Umstellung in gewissem Maße preissteigernd gewirkt hat", sagte Duisenberg nach Angaben der belgischen Wirtschaftszeitung "De Financieel Economische Tijd" vom 27. Dezember 2002. Klaus Liebscher, österreichischer Nationalbank-Chef, verteitigt die EZB-Politik: Man habe nichts verschleiert!
"Wir hätten da einfach ehrlicher sein sollen", soll Duisenberg im Interview gesagt haben. Klaus Liebscher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und Mitglied des Rates der EZB, zeigt sich von den zitierten Äußerungen "überrascht". Er könne sich nur vorstellen, dass sie aus dem Zusammenhang gerissen seien. Laut Liebscher habe auch die EZB mehrfach eingeräumt, dass es um die Euro-Bargeldeinführung vereinzelt "durchaus ungerechtfertigte" Preiserhöhungen gegeben habe, die aber statistisch keinen wesentlichen Anteil an der Gesamtpreisentwicklung hätten. Der OeNB-Chef verwies zudem darauf, dass er selbst bereits im Herbst vorigen Jahres den umstellungsbedingten Preiseffekt auf 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte veranschlagt habe. Diese Prognose sei zuletzt auch von den europäischen Statistikern bestätigt worden.
"Nichts verschleiert!"
"Wir haben da nichts verschleiert", verteidigt Liebscher die EZB-Politik. Vielmehr hätten gerade auch die Zentralbank und die nationalen Notenbanken immer für eine korrekte Preisumstellung appelliert. Dass es damit weithin geklappt habe, zeige ein Blick in die Inflationsstatistik: In Österreich sei die Teuerungsrate im Jänner 2002 (2,1 Prozent) höher gewesen als im November (1,7 Prozent). "Da kann man nicht so viel verstecken", meint Liebscher. Und auch die Preissteigerungen zu Jahresbeginn - vor allem von Obst und Gemüse - seien saisonbedingt und nicht Euro-bedingt gewesen.
Keine Fehler in Info-Politik
Fehler der EZB in der Informationspolitik über die Preiseffekte kann Liebscher nicht feststellen. "Möglich aber, dass am Anfang das subjektive Inflations-Empfinden unterschätzt wurde", räumte das EZB-Ratsmitglied heute im APA-Gespräch ein. Auch das Euro-Wertgefühl habe sich nicht so rasch entwickelt wie erhofft.
Liebscher weist Spekulationen zurück
Entschieden zurück weist Liebscher Spekulationen im Markt, wonach EZB-Chef Duisenberg mit seinen jetzigen Aussagen im Nachhinein die jüngste Leitzinssenkung rechtfertigte. Die EZB hatte die Leitzinsen für die Eurozone Anfang Dezember um einen halben Prozentpunkt gesenkt, obwohl die Preissteigerungsrate im Euroraum im November bei 2,2 Prozent und damit immer noch über dem Wert lag, der nach EZB-Definition Preisstabilität bedeutete. Basis für die Zinsentscheidung sei der für 2003 erwartete nachlassende Inflationsdruck gewesen, betont Liebscher.
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