Freitag, 27. Dezember 2002

Ölpreis zu Jahresende 2002 auf Rekordkurs

  • Drohender Irak-Krieg und Venezuela-Streik treiben Preis hoch
  • Ölpreis in London auf höchsten Stand seit 15 Monaten

Öl ist wieder kräftig teurer. Der drohende Irak-Krieg und die anhaltenden Streiks in Venezuela haben den Ölpreis am zu Jahresende mit über 30 Dollar pro Fass (159 Liter) auf den höchsten Stand seit 15 Monaten getrieben. Nach einem Auf und Ab im Jahresverlauf liegt der Ölpreis damit Ende 2002 wieder dem hohen Niveau des Jahres 2000.

In Venezuela, einem der wichtigsten Öl-Lieferant der USA, hat die Opposition am Donnerstag die Fortsetzung des Generalstreiks angekündigt. Händler erwarten außerdem einen Angriff der USA gegen den Irak Ende Jänner/Anfang Februar. Nach Kriegsausbruch schließen sie einen kurzfristigen Anstieg des Ölpreises auf über 40 Dollar nicht aus - je nachdem wie lange der Konflikt andauert und wie viel durch den Krieg zerstört werde.

Im Kriegsfall könnten Preise wieder sinken
Dauert der Krieg nur wenige Tage könnten die Preise aber schon im März wieder sinken, meint Ehsan Ul-Haq vom Wiener Energiebroker PVM Oil Associates. Kommt es zu einer Lösung des Konflikts in Venezuela und warten die USA mit einer Intervention im Irak weiter ab, ist laut dem Experten auch schon in den nächsten Wochen ein Preisverfall um 2 bis 3 Dollar nicht auszuschließen.

Die Unsicherheit um einen drohenden Krieg im Irak und die Turbulenzen in Venezuela prägen den Ölmarkt bereits seit Beginn des ablaufenden Jahres. Schon Ende Jänner brachte US-Präsident Georg Bush den Irak gemeinsam mit Nordkorea und dem Iran als die "Achse des Bösen" ins Spiel. Zudem hatte die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) Ende 2001 eine Kürzung der Fördermengen um 1,5 Millionen Barrel pro Tag beschlossen. Die Folge: Der Ölpreis kletterte binnen weniger Wochen von seinem 18-Dollar-Tief zu Jahresbeginn auf rund 26 Dollar.

Schwache Nachfrage
Die anhaltend schwache Nachfrage am Ölmarkt - vor allem die Luftfahrt hatte sich von den Anschlägen vom 11. September 2001 kaum erholt - sorgte zwar anschließend für einen kurzzeitigen Preisverfall. Als Mitte April Venezuelas Präsident Hugo Chavez für zwei Tage vorübergehend abgesetzt wurde, schnellte der Preis aber wieder unmittelbar in die Höhe.

Einem erneuten kurzen Einbruch nach Entspannung der Situation in Venezuela folgte eine höhere US-Spritnachfrage in den Sommermonaten, weil die Leute noch immer weniger flogen und im Urlaub mehr auf das Auto setzten. Gemeinsam mit der neu aufflammenden Kriegsangst sorgte dies erneut für ein Ansteigen der Ölpreise bis bereits über 28 Dollar gegen Sommerende.

Nachdem der Markt aber erkannte, dass die weltweite Nachfrage insgesamt weiterhin gering blieb - die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für 2002 nur mit einem minimalen Anstieg um knapp 300.000 Fass pro Tag - und die OPEC-Länder dennoch bisweilen 3 Millionen Barrel mehr produzierten als Ende 2001 vereinbart, sackte der Ölpreis noch einmal ab auf unter 23 Dollar.

OPEC drosselte Fördermenge
Die OPEC reagierte darauf und beschloss - in ihrer einzig maßgeblichen Entscheidung 2002 - die tatsächliche Förderung um 1,7 Millionen Barrel zu drosseln. Dazu kommen nun wieder die zunehmende Kriegsangst und der seit Anfang Dezember schwelende Konflikt in Venezuela. Beide Faktoren zusammen treiben den Ölpreis alleine um 4 Dollar, sagt Ul-Haq.

Ein Barrel der meistgehandelten Ölsorte Brent (zur Lieferung im Februar) kostete am Freitag in London zeitweise bereits über 30,30 Dollar, um über 70 Cent mehr als am vorangegangenen Handelstag. An der Rohstoffbörse in New York war der Preis für Rohöl am Donnerstag mit 32,49 Dollar bereits auf den höchsten Preis seit zwei Jahren gestiegen.

27.12.2002 13:47