Donnerstag, 26. Dezember 2002

Duisenberg räumt Fehler bei Euro-Einführung ein

  • Über drohenden Preisanstieg nicht ausreichend informiert

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, hat Fehler bei der Einführung des Euro-Bargeldes eingeräumt. "Wir haben nur zögernd zur Kenntnis genommen, dass die Umstellung zu einem gewissen Anstieg von Preisen geführt hat", sagte Duisenberg Ende Dezember 2002 der belgischen Finanzzeitung "De Financieel-Economische Tijd". "Wir hätten hier einfach ehrlicher sein sollen", sagte der EZB-Chef auch in einem Interview mit dem niederländischen Sender RTLZ. "Dann hätten wir auch erklären können, dass die Auswirkungen für den gesamten Warenkorb begrenzt sind", fügte er hinzu.

Die Statistiker ermitteln die Inflation mit Hilfe eines Warenkorbs, der die Geldausgaben eines Durchschnittsbürgers simuliert. Die tatsächlichen Ausgaben können davon individuell mehr oder weniger deutlich abweichen. In den ersten Wochen nach der Euro-Bargeldeinführung am 1. Jänner 2002 hatten Verbraucherverbände aus dem gesamten Euroraum über einen deutlichen Anstieg der Preise geklagt. Die europäischen Behörden widersprachen, stellten aber nach und nach fest, dass die Preise in einigen Bereichen des Einzelhandels in Verbindung mit der Euro-Bargeldeinführung tatsächlich gestiegen sind.

Nach Erhebungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat trug die Umstellung lediglich zwischen 0,0 und 0,2 Prozent zur Inflation bei den Verbraucherpreisen bei. Während die Auswirkung der Euro-Bargeldeinführung auf die allgemeine Inflationsrate sehr begrenzt blieb, kam es jedoch bei einigen Artikeln des täglichen Gebrauchs zu weit überdurchschnittlichen Preissteigerungen. Dies führte Umfragen zufolge dazu, dass rund 60 Prozent der Bürger in der Eurozone die Ansicht vertreten, die Währungsumstellung habe die Inflation in die Höhe getrieben.

Nach Angaben der EU-Kommission wird diese Auffassung vor dem Hintergrund deutlicher Preisanhebungen insbesondere in der Hotellerie und Gastronomie immer noch vertreten. Zugleich habe die Akzeptanz der Gemeinschaftswährung aber zugenommen, teilte die Kommission im Dezember mit. Experten sprechen von einer Kluft zwischen wahrgenommener und gemessener Inflation. Die EZB befürchtet, dass diese Kluft zu überhöhten Lohnforderungen führen könnte.

Nach den jüngsten Eurostat-Daten ging die Inflationsrate in der Euro-Zone im November auf 2,2 Prozent zurück von 2,3 Prozent im Oktober. Damit lag die Rate den vierten Monat in Folge über der EZB-Obergrenze von zwei Prozent.

26.12.2002 21:12