Donnerstag, 26. Dezember 2002

Rahlves gewinnt Bormio-Abfahrt vor drei Österreichern

  • Fritz Strobl Zweiter, Hannes Trinkl Dritter, Peter Rzehak Dritter
  • Stephan Eberharter bei seinem Comeback ausgeschieden

Die imposante Siegesserie der österreichischen Abfahrer in Bormio ist am Sonntag zu Ende gegangen. Der US-Amerikaner Daron Rahlves bezwang auf der immens selektiven Stelvio-Piste in 2:01,42 Minuten die ÖSV-Armada, die jedoch durch Olympiasieger Fritz Strobl (+0,18), Weltmeister Hannes Trinkl (0,24) und Peter Rzehak (0,43) die Ränge zwei bis vier belegte. Rahlves ist der erste nicht-österreichische Abfahrts-Sieger in Bormio seit 1996 (Luc Alphand/FRA), zuletzt hatte es sechs ÖSV-Mehrfacherfolge en suite gegeben. Weltcup-Leader Stephan Eberharter schied bei seiner Rückkehr nach zwei Wochen Verletzungspause kurz vor dem Ziel aus.

"Ich habe Weihnachten in Bormio verbracht, vielleicht hat mir das Glück gebracht", lächelte der 29-jährige US-Boy, der sein drittes Weltcup-Rennen (drei Mal in der Abfahrt) gewann und für den ersten US-Sieg in Bormio sorgte. "Die Fahrt war gar nicht perfekt, sie war aber gut. Die Strecke war ungemein schwierig, das ist unglaublich. Das Adrenalin fließt auf dieser Strecke", sprach Rahlves, der 23.850 Euro Siegesprämie einheimste, dem gesamten Feld aus der Seele. Dass er eine sensationelle Zeit hingelegt hatte, wusste der Mann aus Truckee im US-Bundesstaat Kalifornien bereits gleich nach seiner Fahrt mit Startnummer zehn, denn Rahlves riss sofort jubelnd die Hände in die Höhe.

Den US-Ski-Tag perfekt machte der fünfte Platz für Super-Allrounder Bode Miller, der nun in der Weltcup-Gesamtwertung nur noch 70 Zähler Rückstand auf Eberharter hat. "In der Abfahrt beginnt es schön langsam richtig gut zu laufen", freute sich Miller über das beste Abfahrtsresultat seiner Karriere. Für den Tiroler Eberharter war der Ausfall aber kein wirklicher Grund zur Sorge. "Der Kräfteverschleiß bei mir war heute enorm, am Schluss vermehrten sich dann die Fehler. Mit dem Knie war aber alles in Ordnung", meinte der Zillertaler und fügte nach seiner in Val d'Isere erlittenen Knochenprellung mit Bluterguss im Bereich des rechten Knies hinzu: "Ich muss das Gefühl wieder kriegen. Es wird noch drei bis vier Wochen dauern, bis ich wieder ganz da bin." Die Strecke warf noch einige andere Routiniers ab, u.a. landete der norwegische Super-G-Olympiasieger Kjetil-Andre Aamodt nach einem schweren Sturz im Fangnetz.

Die Österreicher legten trotz des Ausfalls ihres Team-Leaders auf ihrer "Heimstrecke" ein mannschaftlich tolles Ergebnis hin - mit Fritz Strobl (2.), Trinkl (3.), Rzehak (4.), Josef Strobl (7.), Klaus Kröll (8.), Michael Walchhofer (9.), Andreas Schifferer (10.), Werner Franz (13.) und Andreas Buder (14.) landeten gleich sieben ÖSV-Fahrer in den Top Ten und neun unter den Top-14. Lediglich Eberharter (out) und Thomas Graggaber (32.) verfehlten im WM-Ort 2005 die Punkteränge. Dennoch: Für die Österreicher war es nicht nur die erste "Niederlage" in Bormio seit 1996, sondern auch die zweite in Folge in dieser Saison. Denn in Gröden hatte der Franzose Antoine Deneriaz, der diesmal nach Torfehler ausschied, triumphiert.

Die 3.680 Meter hatten es auf jeden Fall in sich, nicht umsonst sprach ÖSV-Abfahrts-Coach Robert Trenkwalder im Vorfeld von einer der drei anspruchsvollsten Strecken im Weltcup-Zirkus. "Das war das selektivste, was ich in meiner Karriere mitgemacht habe", gestand auch der 23-jährige Niederösterreicher Buder, der so wie einige andere Kollegen völlig ausgepumpt im Zielraum zu Boden ging. Die Piste befand sich entgegen aller Befürchtungen in Top-Zustand, wie die späten Spitzenzeiten von Hannes Trinkl (Startnummer 27) und Fritz Strobl (29) bewiesen. Gestartet wurde nämlich nicht nach der neuen Startregel, sondern unter Berücksichtigung der Weltrangliste, da das Abschluss-Training am Samstag der schlechten Witterung (Regen und Schneefall) zum Opfer gefallen war.

Olympiasieger und Bormio-Titelverteidiger Strobl wusste, wo er die entscheidenden 0,18 Sekunden hatte liegen lassen. "Ich hab' es in der zweiten Hälfte des Kurses verpatzt. Unten war die Sicht schlecht, vielleicht hab ich es dort 'a bissl' verbremst", erklärte der 30-jährige Kärntner, der nach dem Sturz von Aamodt im Starthaus sehr lange hatte warten müssen. "Gratulation an Rahlves. Auf technisch schweren Strecken muss man immer mit ihm rechnen, aber wir werden ihn schon wieder biegen."

Ergebnis Herren-Abfahrt in Bormio
1.Daron RahlvesUSA2:01,42 Min.
2.Fritz StroblAUT2:01,60+0,18
3.Hannes TrinklAUT2:01,66+0,24
4.Peter RzehakAUT2:01,85+0,43
5.Bode MillerUSA2:02,08+0,66
6.Franco CavegnSUI2:02,30+0,88
7.Josef StroblAUT2:02,47+1,05
8.Klaus KröllAUT2:02,72+1,30
9.Michael WalchhoferAUT2:02,75+1,33
10.Andreas SchiffererAUT2:02,87+1,45
11.Ambrosi HoffmannSUI2:02,96+1,54
12.Didier CucheSUI2:02,99+1,57
13.Werner FranzAUT2:03,11+1,69
14.Andreas BuderAUT2:03,14+1,72
15.Didier DefagoSUI2:03,20+1,78
16.Lasse KjusNOR2:03,22+1,80
17.Andrej JermanSLO2:03,52+2,10
18.Max RaufferGER2:03,62+2,20
19.Pierre-Emanuel DalcinFRA2:03,67+2,25
20.Peter PenSLO2:03,70+2,28
21.Kurt SulzenbacherITA2:03,85+2,43
22.Jürg GrünenfelderSUI2:04,10+2,68
23.Rolf von WeissenfluhSUI2:04,54+3,12
24.Erik SelettoITA2:04,60+3,18
25.Sebastien FournierFRA2:04,66+3,24
26.Beni HoferSUI2:04,75+3,33
27.Matteo BerbenniITA2:04,82+3,40
28.Claude CretierFRA2:05,09+3,67
29.Nicolas BurtinFRA2:05,12+3,70
30.Lorenzo GalliITA2:05,26+3,84
weiter:
32.Thomas GraggaberAUT2:05,49+4,07

26.12.2002 14:06