Martin Höllwarth: "Mein Ziel ist Tournee-Gesamtsieg"
- Auch die anderen ÖSV-Stars sind voll motiviert
Rang zwei 1991/92, Rang drei 2001/2002. Nur noch ein Platz fehlt Weltcup-Leader Martin Höllwarth in seiner Tournee-Sammlung: Der Gesamtsieg. Mit drei Saisonerfolgen hat sich der 28-jährige Tiroler nicht nur das Gelbe Trikot gesichert, er ist auch als einer der Favoriten in ein ungewöhnlich warmes, verregnetes und grünes Oberstdorf gekommen. Der vor Selbstvertrauen strotzende "Hölli" bemüht sich gar nicht erst tiefzustapeln. "Mein Ziel ist sicher der Gesamtsieg", meinte Höllwarth vor dem Tourneeauftakt.
Aber er weiß auch ganz genau, dass es acht konstant guter Sprünge bedarf, damit er am 6. Jänner in Bischofshofen die Schlüssel für den Audi Allroad quattro für den Tournee-Sieger in der Hand halten kann. "Darum hat mir Engelberg auch ganz gut getan", spielt der sechsfache Weltcupsieger auf seinen verhauten Sprung in der Schweiz an. "Mir ist lieber, es passiert in Engelberg, als in Oberstdorf." Die Chance, dass man acht hundertprozentige Sprünge zusammenbringt, sei allerdings nicht groß, darum glaubt Höllwarth auch nicht an eine Wiederholung des Husarenstücks von Sven Hannawald. "Man muss einfach sagen, da hat wirklich alles zusammengepasst", erinnert er sich und vor allem die Wetterbedingungen seien im Wesentlichen fair gewesen.
Das schien schon für Oberstdorf eher unwahrscheinlich, bei Temperaturen um zehn Grad plus sind auch dementsprechende Windschwankungen zu erwarten. "Das kann ich nicht beeinflussen. Ich muss einfach versuchen, für mich acht sehr gute Sprünge zu schaffen." Höllwarth ist voller Selbstvertrauen und verfügt nun auch über die innere Ruhe. Auf der Suche nach den Ursachen seines Formanstiegs zum Siegspringer stößt man u.a. auch auf seinen neuen familiären Background: Seine Frau Alexandra und er sind seit 13. März dieses Jahres stolze Eltern eines Sohnes namens Nico. "Das hat brutal viel ausgemacht. Der Nico schaut mich genauso lieb an, ob ich jetzt 70 m oder 130 m weit gesprungen bin", erklärt Höllwarth.
Früher sei sein innerer Zustand viel mehr von seiner Form im Skispringen abhängig gewesen. Mit seiner kleinen Familie habe nun aber quasi "das Leben danach", also nach seiner sportlichen Karriere, bereits begonnen und dieser Zustand der inneren Ruhe hilft ihm im Sport.
Auch Andi Widhölzl ist Familienvater, sogar schon zweifacher. Er hat in Engelberg nach einem schwachen Auftritt in Titisee-Neustadt wieder zu seiner Form gefunden. "Ich möchte bei der Tournee alles zeigen. Es gibt natürlich viele Sieganwärter, aber ich habe mein Zeug schon gemacht", scherzte "Swider" in Blickrichtung Sven Hannawald. Ein Training am Freitag in Seefeld habe ihn zusätzlich zuversichtlich gemacht. "Die Schanze in Seefeld ist ähnlich jener in Oberstdorf und da habe ich einige gute Sprünge gezeigt. Das ist ein gutes Zeichen", hofft der bisher letzte ÖSV-Tourneesieger (1999/00).
Dritter heißer Anwärter auf absolute Spitzenplätze ist der wieder erstarkte Andi Goldberger, der möglicherweise zum letzten Mal bei der Tournee dabei ist. "Ich werde mal schauen, wie lange es geht mit der Schulter. Aber nach der Saison muss ich auf jeden Fall operieren gehen", stellte Goldberger fest. Und ob er sich dann nach einer zwei- bis dreimonatigen Pause nochmals überwinden könne, wisse er noch nicht. Sein Ziel für die Tournee setzt er niedriger an als seine letzten Ergebnisse: "Ich war jetzt fünf Wettkämpfe unter den Top Ten, das will ich auch schaffen und vielleicht einen Stockerlplatz." Insgeheim denkt er aber sicher auch an den März 1996, als er seinen bisher letzten Sieg gefeiert hatte. "Ja, aber das kann man nicht erzwingen. Zwei Mal war ich heuer knapp dran."
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