Freitag, 27. Dezember 2002

Grosny-Bombe: Zahl der Todesopfer auf 80 gestiegen

  • Ermittlungen: Noch keine Spuren, keine Festnahmen

Die Zahl der Todesopfer nach dem Bombenanschlag in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny ist bis Montag auf 80 gestiegen. Das berichteten übereinstimmend das russische Fernsehen ORT und die Agentur Itar-Tass unter Berufung auf die Regierung der Kaukasus-Republik. Von den 152 Verletzten befänden sich 15 in kritischem Gesundheitszustand. Diese neuesten Zahlen der Opfer seien aber "noch nicht endgültig", hieß es bei Itar-Tass.

Noch am Morgen war die Zahl der Todesopfer des Anschlags vom vergangenen Freitag, als Selbstmordattentäter zwei mit Sprengstoff gefüllte Fahrzeuge vor dem Regierungsgebäude in Grosny gezündet hatten, offiziell mit 61 angegeben worden.

Zum Gedenken an die Opfer des Anschlags wurde in der Kaukasus-Republik dreitägige Trauer angeordnet. Der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef Achmed Kadyrow erließ am Montag die entsprechende Verfügung, wie die Agentur Itar-Tass berichtete. Mit sofortiger Wirkungen wurden alle offiziellen Veranstaltungen und Feiern zum Neujahrsfest abgesagt.

Keine Spur von Drahtziehern
Trotz fieberhafter Ermittlungen nach den Hintermännern des Bombenanschlags in der tschetschenischen Hauptstadt haben die russischen Behörden bis Sonntag keine verwertbare Spur gefunden. Oberst Ilja Shabalkin vom Stab der Kaukasus-Truppen nannte am Samstag den arabischen Söldner Abu Tarik, der am Tag vor dem Anschlag getötet worden war, als einen der Drahtzieher.

Russische Sicherheitsapparat ist machtlos
Der Bombenanschlag in der tschetschenischen Hauptstadt hat einmal mehr die Ohnmacht des angeblich so mächtigen russischen Sicherheitsapparats aufgezeigt. Wie bereits vor knapp zwei Monaten bei der Geiselnahme in einem Moskauer Musical-Theater oder am 9. Mai beim Bombenanschlag auf eine Militärparade in Kaspijsk in Tschetscheniens Nachbarrepublik Dagestan brachten tschetschenische Rebellen die Polizei und den Geheimdienstapparat erneut in den Mittelpunkt der Kritik. Alle nach dem Anschlag eingeleiteten Sondermaßnahmen seien müßig, meinte der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef Achmed Kadyrow. "Die Rebellen sind immer noch die Hausherren in Grosny."

27.12.2002 13:23