Donnerstag, 26. Dezember 2002

Vulkanologe warnt vor neuer "Aggressivität" des Ätna

  • Besuchsverbot verhängt, Vorarlberger verletzt
  • PLUS: Die Bilder der letzten Eruptionen (siehe Kasten!)

Der französische Vulkanologe Roberto Clocchiatti warnt vor einer neuen "Aggressivität" des Ätna, der bald mit neuen verheerenden Eruptionen überraschen könnte. Clocchiatti, der seit Jahrzehnten Forschungen rund um Europas größten Vulkan führt, erklärte, die Zahl der gemeldeten Lava-Eruptionen sei in den vergangenen Jahren im Vergleich zu den vergangenen drei Jahrhunderten gestiegen.

Die Lava, die der Vulkan ausspucke, sei reicher an Gas und bewege sich schneller entlang den Hängen des Vulkans.

"Für den Ätna könnte eine neue eruptive Phase beginnen", betonte Clocchiatti nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Sonntagsausgabe). Seit 1971 seien 17 Ausbrüche gemeldet worden. Der Durchschnitt war bisher zehn Eruptionen pro Jahrhundert.

Nicht all seine Kollegen sind jedoch mit Clocchiattis Ansichten einverstanden. "Fest steht bisher nur, dass sich im Vulkan eine große Energie angesammelt hat, von der er sich früher oder später befreien wird", so Giovanni Frazzetta, Chef des nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie in Italien. Wie der Vulkan diese Energie loswerden wird, sei noch ungewiss.

Frazzetta zeigte sich zuversichtlich. "So lange der Ätna Lava aus einem Krater auf einer Höhe von 2.000 bzw. 3.000 Meter Lava ausspuckt, gibt es für die Gemeinden an den Hängen des Vulkans keine Probleme." Auch starke Eruptionen würden in diesem Fall zwar kritisch sein, aber keine Katastrophen verursachen, so der Vulkanologe.

Fast zwei Monate lang hatte der Ätna zwischen Oktober und Dezember 2002 Lava und Asche in die Luft geschleudert. Der Ascheregen erreichte sogar die afrikanischen Küsten. Wenige Tage nach Beginn der Eruption hatte ein Erdbeben die Ortschaft Santa Venerina an den Hängen des Vulkans erschüttert. Neun Personen wurden dabei verletzt, zirka 1.000 Menschen wurden obdachlos.

26.12.2002 13:19