Dienstag, 24. Dezember 2002

Papst ruft zu Verhinderung des Irak-Krieges auf

  • "Konflikt mit gutem Willen vermeidbar"
  • Traditionellen Weihnachtssegen "Urbi et Orbi" gespendet

Papst Johannes Paul II. hat in seiner Weihnachtsbotschaft zur Verhinderung eines drohenden Kriegs im Irak aufgerufen. Alle Menschen guten Willens sollten "den Frieden aufrichten", insbesondere im Heiligen Land und im Nahen Osten. Dort gelte es, "das unheilvolle Flackern eines Konflikts, der mit dem Einsatz aller vermeidbar ist, auszulöschen", sagte er der Papst am Mittwoch vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. Danach spendete das Oberhaupt der katholischen Kirche den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" in 62 Sprachen.

Tausende Touristen und Gläubige waren trotz regnerischen Wetters auf den Petersplatz gekommen. Wegen Restaurierungsarbeiten sprach Johannes Paul II. den Segen heuer nicht wie sonst üblich von der Mittelloggia der Basilika, sondern direkt auf dem Petersplatz. Der 82-jährige Papst sprach verständlich, er wirkte gesundheitlich stabil.

Weiter mahnte Johannes Paul II: "Aus der Grotte in Bethlehem erhebt sich heute ein dringender Ruf, dass die Menschheit dem Misstrauen, dem Zweifel und dem Argwohn nicht nachgebe, auch wenn das tragische Phänomen des Terrorismus Unsicherheit und Angst zu verbreiten droht. Gemeinsam mit allen Menschen guten Willens sind die Gläubigen in jeder Religion aufgerufen, jede Form der Intoleranz und Diskriminierung zu ächten und den Frieden aufzurichten. Insbesondere im Heiligen Land, um die sinnlose Spirale blinder Gewalt zu stoppen, und im Nahen Osten, um das unheilvolle Flackern eines Konfliktes, der mit dem Einsatz aller vermeidbar ist, auszulöschen."

25. Mitternachtsmette
Papst Johannes Paul II. hatte in der Nacht auf Mittwoch zum 25. Mal zu Weihnachten in Rom die traditionelle Mitternachtsmette gefeiert. Mehrere Tausend Gläubige kamen unter strengen Sicherheitsmaßnahmen in den Petersdom. Der 82 Jahre alte Kirchenführer, der seit Oktober 1978 im Amt ist, sagte in seiner Predigt, Weihnachten sei "ein Zeichen des Friedens für alle, die unter irgendeiner Form von Konflikten leiden". Am Ende der gut einstündigen Messe machte der Papst einen müden und angeschlagenen Eindruck.

Das christliche Weihnachtsfest sei auch "ein Zeichen der Befreiung für die Armen und die Unterdrückten" und zugleich "ein Zeichen der Hoffnung für die ganze Menschheitsfamilie", sagte Johannes Paul. Er ging allerdings nicht ausdrücklich auf die politisch angespannte Weltlage und den drohenden Krieg im Irak ein. Die Messe wurde von fast 50 Fernsehsender weltweit übertragen.

Der Papst, der an der Parkinson Krankheit leidet und nur schwer gehen kann, wurde von Helfern auf einem rollenden Podest zum Altar geschoben. Zunächst machte er einen gesundheitlich gefestigten Eindruck und sprach mit vergleichsweise klarer Stimme. Am Ende der Messe wirkte er aber geschwächt und hatte Schwierigkeiten beim Atmen. Beim Singen drohte seine Stimme zu versagen.

Aus Furcht vor terroristischen Anschlägen hatte die italienische Polizei strenge Sicherheitsmaßnahmen verhängt, so waren bei der Messe Sicherheitskräfte in Zivil unter den Gläubigen.

24.12.2002 14:09