Dienstag, 24. Dezember 2002

Tausende in Caracas bei Großkundgebung

  • Generalstreik und OAS-Vermittlung werden fortgesetzt
  • Sternmarsch venezolanischer Demonstranten gegen Chavez

Mehrere tausend Anhänger der Opposition haben sich am Sonntag in der venezolanischen Hauptstadt Caracas zu einer Großkundgebung versammelt. Die rechtsgerichtete Opposition gegen Präsident Hugo Chavez sieht in der Demonstration eine neue Stufe des Protests, der in zivilen Ungehorsam münden soll.

Die Demonstranten gingen an verschiedenen Stellen der Hauptstadt los und sollten später im Süden von Caracas zusammentreffen. Dort sollen Broschüren verteilt werden, die auf der Grundlage der Verfassung zu zivilem Ungehorsam anleiten sollen.

Ölproduktion am Boden
Die Gegner des Präsidenten fordern den Rücktritt von Chavez und Neuwahlen. Hunderttausende waren in den vergangenen Wochen bereits deswegen auf die Straßen gegangen. Ein seit knapp vier Wochen andauernder Generalstreik hat die Ölindustrie in dem fünftgrößten Öl-Produktionsland der Welt auf fünf Prozent der normalen Menge gedrückt.

Am Samstagabend hatten sich Anhänger von Präsident Chavez und oppositionelle Demonstranten eine Straßenschlacht geliefert. Der Polizei sei es gelungen, die Lage unter Kontrolle zu bekommen, berichteten einheimische Medien. Der Sprecher der Opposition, Gewerkschaftschef Carlos Ortega, hatte zuvor eine Fortsetzung des Kampfes gegen Chavez "bis zur letzten Konsequenz" angekündigt.

"Wach auf Chavez, das Land stirbt"
Die Opposition hat angekündigt, den seit vier Wochen anhaltenden Generalstreik fortzusetzen. "Wach auf Chavez, das Land stirbt in deinen Händen. Der Streik geht weiter, ein Kampf bis zum Sieg, kein Schritt zurück", sagte Gewerkschaftschef Carlos Ortega. Die Streikenden wollen Chavez zum Rücktritt zwingen.

Die Opposition, ein loses Bündnis aus politischen Parteien, Gewerkschaften und Unternehmern, macht Chavez für die Rezession im Land verantwortlich und wirft ihm vor, ein kommunistisches Wirtschaftssystem nach kubanischem Vorbild einführen zu wollen. Sie fordert ein Referendum über Chavez. Der lehnte dies bisher mit Hinweis auf Verfassungsvorgaben ab.

"Unglücklicherweise hat die Regierung bis jetzt eine Reihe von Entschuldigungen vorgebracht, um eine Lösung durch eine Wahl aufzuschieben", sagte einer der Unterhändler der Opposition. In der vergangenen Woche waren die Vermittlungsgespräche ausgesetzt worden, nachdem die Delegation der Regierung nicht erschienen war. Doch war geplant, dass OAS-Generalsekretär Cesar Gaviria die Gespräche nach einer Unterbrechung zu Weihnachten am Donnerstag wieder aufnimmt.

Öl macht 80 Prozent der Exporte Venezuelas und 50 Prozent der Staatseinkünfte aus. Chavez war 1998 gewählt worden und hatte im April einen Putschversuch überstanden. Schon vorher jagte ein Putsch den anderen - Chavez selbst hatte sich vor vielen Jahren als Offizier in der Putsch-Abwehr einen Namen gemacht.

24.12.2002 08:28