Montag, 23. Dezember 2002

Washington formiert seine Anti-Irak-Koalition

  • Unterstützungsanfragen an rund 50 Staaten gerichtet

Trotz der Wiederaufnahme der Irak-Kontrollen durch die Vereinten Nationen und des Waffenberichts aus Bagdad haben die USA ihre Vorbereitungen auf einen möglichen Krieg am Golf in den letzten Wochen mit neuem Schwung vorangetrieben. Zunehmend schließen sich auch die Reihen der Koalitionspartner, die ihre Unterstützung einer Militäroffensive in Aussicht gestellt haben. Auch vormals kritische Verbündete geben ihren Widerstand zusehends auf.

"Dass die US-Regierung ihre Bemühungen um neue Kontrollen verstärkte und sich entschloss, den Weg über die Vereinten Nationen zu nehmen, war genau das, was diese Länder hören wollten", sagt Michael Donovan vom Zentrum für Verteidigungsinformation in Washington. "Das liegt nicht so sehr daran, weil sie unbedingt glaubten, Saddam (Hussein) habe eine zweite Chance verdient", meint Donovan. "Der Kontrollprozess war der politische Mantel, den sie auch für stille Unterstützung einer solchen Operation gebraucht haben."

Neben den von Anfang an entschlossenen Verbündeten wie Großbritannien und Australien haben die USA mittlerweile auch Länder wie Kanada, Italien, Spanien und arabische Staaten wie Kuwait und Katar auf ihre Koalitionsliste gesetzt. Auch von der Türkei, dem nördlichen Nachbarn des Irak, erwartet Washington Unterstützung, sollte der Druck der Vereinten Nationen und die Rüstungskontrollen nicht die geforderten Ergebnisse bringen. Ebenso beeilten sich bereits mehrere neue NATO-Mitglieder oder -Beitrittskandidaten, den USA ihre Hilfe anzubieten.

Als US-Präsident George W. Bush sich zunächst gegen einen Alleingang entschied und den UN-Sicherheitsrat anrief, habe er damit gezeigt, dass er das Thema Irak zu einer internationalen Angelegenheit machen wolle, erklären politische Beobachter. Damit habe er seine Position auf dem internationalen Parkett deutlich verbessert, sagt Michael O'Hanlon vom Brookings-Institut in Washington. "Ich denke, wir bringen eine vernünftige Koalition zusammen."

Die amerikanische Regierung hat nach Angaben von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bisher Unterstützungsanfragen an rund 50 Staaten gerichtet. "Einige haben starke Unterstützung zugesagt, andere geringere", berichtete Rumsfeld. "Einige haben auch darum gebeten, dass nicht nach außen dringen solle, zu welchen Schritten sie sich bereit erklärten."

Neben der Einschaltung der Vereinten Nationen machen Analysten auch wachsendes Zutrauen in die Macht der USA für die Unterstützungszusagen verantwortlich. Weltweit glaubten immer mehr Regierungen, dass ein Krieg nicht mehr aufzuhalten sei, sagt Nile Gardiner von der konservativen Heritage-Stiftung. "Die meisten Länder wollen dann auf der Gewinnerseite stehen." Vor allem arabische Länder könnten sich stillschweigend der Anti-Irak-Koalition anschließen, um nach einem Sturz Saddam Husseins ihre Interessen besser wahren zu können. "In letzter Minute würden vermutlich viele Ländern noch aufspringen", meint Donovan vom Zentrum für Verteidigungsinformation.

23.12.2002 13:39