"Weiße Pracht" aus den Wiener Schornsteinen?
- Experte: Müllverbrennung für Schneefall verantwortlich
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Schnee aus der Müllverbrennung? Am Freitag durften die Wiener über ein ungewöhnliches Phänomen staunen: Obwohl kaum Wolken über das Stadtgebiet zogen, schneite es örtlich und teilweise blieb sogar eine Schneeschicht von bis zu einem Zentimeter liegen. Harald Seidl, Meteorologe auf der Hohen Warte, führte diesen "Industrieschnee" vor allem auf die Müllverbrennungsanlagen zurück, da diese sehr feuchte Emissionen hätten.
Bei der vorherrschenden Wetterlage würden die Wolken aus den Müllöfen in kälteren Luftschichten zu Schneekristallen. Umweltstadträtin Isabella Kossina (SP) wies diese Erklärung allerdings zurück: "Das ist natürlich nicht so." Vielmehr begünstige jeder Schornstein die Bildung von Industrieschnee.
Laut dem Wetterexperten Seidl entsteht die "weiße Pracht" aus dem Schornstein nur bei bestimmten Wetterbedingungen. Als Voraussetzung nannte er Hochnebel und kalte Temperaturen ab etwa 1.000 Meter Seehöhe. Dort würden sich die feuchten Emissionen der Müllverbrennungsanlagen abkühlen und Schneeflocken bilden. Einzeln vorüberziehende Wolken würden die schneebildenden Schichten noch zusätzlich "impfen".
Durch Verunreinigungen der Luft werde dieser Prozess ebenfalls begünstigt, so Seidl: "Bei einer ganz sauberen Luft passiert das nicht." Laut dem Meteorologen bilden vor allem die Staubkörner, die sich in den Abgasen der Müllverbrennung sehr zahlreich fänden, eine gute Basis für Schneekristalle. Die "weiße Pracht" bleibe aber trotzdem "weiß", versicherte Seidl: "Den Staub selber sieht man nicht."
Sofern die Müllverbrennungsanlagen einwandfrei arbeiten, sollte der städtische Kunstschnee auch für die Gesundheit unbedenklich sein, sagte der Wetterforscher. Allerdings: "Es kommt darauf an, was die Müllverbrennungsanlagen rauslassen."
Die Wiener Umweltstadträtin teilte diese Sicht der Dinge nicht. Das Phänomen könne überall dort auftreten, wo die Luft besonders feucht sei, so Kossina: "Das ist egal, aus welchem Rauchfang auch immer." Auch der Donaukanal oder kalorische Kraftwerke seien Feuchtigkeitsspender. Die Politikerin sieht auch keinen Zusammenhang zwischen Müllverbrennung und Staubentwicklung. Diese halte sich bei den Wiener Anlagen in deutlichen Grenzen und sei äußerst gering.
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