Mittwoch, 25. Dezember 2002

Schönborn erinnert: 'Unbegreifliches Geheimnis Gottes'

  • "Kind geworden, um die harten Herzen zu berühren"

Gott sei Mensch geworden, damit die Menschen ihren Stolz überwinden angesichts der Demut Gottes, sagte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch beim Christtags-Hochamt im Wiener Stephansdom. Wörtlich stellte der Wiener Erzbischof laut Kathpress fest: "Damit wir nicht Gott als übermächtigen Konkurrenten fürchten und missverstehen, ist er ein Kind geworden, um unsere harten Herzen zu berühren." Das Bild des Kindes, das wehrlos seine Arme ausstreckt, sei der Weg, um die Größe und Heiligkeit Gottes zu erfassen.

"Warum beugen wir so schwer das Knie vor Gott und machen Kniefälle vor allen möglichen Götzen?", fragte Kardinal Schönborn. Diese Haltung werde sichtbar, wenn gespottet wird, weil ein Politiker sagt, mit Gottes Hilfe die politische Arbeit tun zu wollen oder wenn viele Wissenschaftler sich schwer tun, "einfach anzuerkennen, dass alles von Gott geschaffen wurde und nichts Spiel des blinden Zufalls ist". Um die Menschen aus dieser Haltung des "Widerstands" zu befreien, sei Gott Mensch geworden. Wörtlich sagte der Wiener Erzbischof: "Das ist die Frohe Botschaft, die uns heute erreichen will: dass Gott Ursprung, Leben, Licht ist und dass wir uns anbetend dem Geheimnis Gottes öffnen, das uns und alles trägt". Das "staunende Stillstehen vor Gottes Herrlichkeit" sei der Anfang der Weisheit.

Der Wiener Erzbischof erinnerte an den Prolog des Johannes-Evangeliums, der am Christtag in der Liturgie verlesen wird: "Im Anfang war das Wort". Damit werde ausgesagt, dass Gott "ist, bevor irgendetwas Geschaffenes war". Der Evangelist führe die Menschen damit zur Anbetung des "unbegreiflichen, unfassbaren, unsagbaren Geheimnisses Gottes".

25.12.2002 12:39