Dienstag, 24. Dezember 2002

Bischof Kothgasser für Runden Tisch zu Asylfrage

  • "Bischof muss reden, wenn es um Wohl und Heil des ganzen Menschen geht"

Wo es um das Wohl und Heil des ganzen Menschen geht, muss sich ein Bischof zu Wort melden, betonte der neue Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser am Dienstag in der ORF-Radioreihe "Im Journal zu Gast". Verantwortliche der Kirche hätten dies auch immer wieder getan, bis hin zum Widerstand gegen terroristische Regime. In Sachen Asyl wünscht sich der Bischof einen "Runden Tisch".

Bei Unrecht und Benachteiligungen gebe es keinen andern Weg als eine klare Positionierung der Kirche. Als für die Caritas in der Bischofskonferenz zuständiger Referent sei er hier besonders gefordert, sagte Kothgasser. Durch die Caritas sei er "sehr sensibel geworden für die Nöte der Menschen".

Familie stärken
Kritik an der Caritas wie zuletzt jene von ÖVP-Vertretern während des Wahlkampfes sollte nach Überzeugung Kothgassers am besten im direkten Gespräch ausgeräumt werden. Der Bischof sprach sich zugleich dafür aus, dass zwischen dem Engagement für Einheimische und jenem für Ausländer "Ausgewogenheit" herrscht. Sein Vorgänger als Salzburger Erzbischof, Georg Eder, habe Recht, wenn er auf die geringe Geburtenrate in Österreich hinweise. Wenn zu wenige Kinder auf die Welt kämen, müssten deren Plätze durch Zuwanderer aufgefüllt werden. Es sei daher notwendig, die Familie zu stärken.

"Runder Tisch" zu Asyldebatte
In der zuletzt heftig diskutierten Asylfrage würde sich der Bischof wünschen, dass es zu einem "Runden Tisch" mit kirchlichen Fachleuten und Verantwortlichen in der Regierung kommt. Es gehe um zwei Werte: Die "Identität des eigenen Volkes" sei zu bewahren, Menschen in Not müssten aufgenommen werden. Es sei aber auch gute Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden notwendig, um zu verhindern, dass "Abenteurer, politisch ideologisierte Menschen oder Kriminelle" einströmen. Diese Gefahr habe sich nach den "terroristischen Umtrieben religiös verhärteter Gruppen" verschärft.

"Zu viele Lehrer, zu wenige Zeugen"
Kothgasser plädierte zugleich für einen "Dialog der Religionen". Dieser Dialog stoße aber dort an eine "klare Grenze", wo es um die Legitimierung von Gewalt gehe. Im Islam gebe es zweifellos "einige sehr aggressive, machtbegierige Gruppierungen". Der Großteil der Muslime wolle jedoch - "so hoffe ich es jedenfalls" - einen ehrlichen Dialog und respektiere die Menschenrechte. Angesprochen auf die Krise der Kirchen in Westeuropa, während zugleich von einem verstärkten Interesse an Religion die Rede ist, nannte Kothgasser als eine Ursache: "Wir sind zu viele Lehrer und zu wenige Zeugen". Er wünsche sich "Heilige", die aus tiefer Gottverbundenheit mitten unter den Menschen leben und die Liebe Gottes ausstrahlen.

Gegen Frauenpriestertum
Zur Frage des Frauenpriestertums erklärte Kothgasser, dass der Geist Gottes jedem Christen und der Kirche als ganzer als Richtung weisend gegeben sei. Dem Nachfolger des Petrus sei der Heilige Geist ausdrücklich zugesagt, und Papst Johannes Paul II. habe zum Frauenpriesteramt "eindeutig gesprochen". Für die Haltung der Kirche sei auch das Handeln Jesu ausschlaggebend; Jesus habe bei Berufung und Sendung seiner Apostel eine klare Auswahl getroffen.

Weihnachtswunsch: Friede in der Heimat Jesu
Als größten Weihnachtswunsch nannte der Bischof den Frieden in der Heimat Jesu. Es sei "schwer zu ertragen, dass dort, wo Jesus geboren wurde und Engel den Frieden verkündeten, solch ein Hass und so eine Gewalt herrschen". Für Österreich würde er sich wünschen, "dass unser Christsein erneuert werden kann" und dadurch der Dienst an den Menschen verstärkt werde. Daran erweist sich nach den Worten Kothgassers die Echtheit des Christseins - "in Zukunft wahrscheinlich noch mehr als in der Gegenwart".

24.12.2002 13:46