EU-Minister einigen sich auf Fischereireform
- Gegen Deutschland und Schweden
- Fangquote vereinbart - Fischler begrüßt Einigung

Gegen die Stimmen Deutschlands und Schwedens haben die zuständigen Minister eine Reform der EU-Fischereipolitik vereinbart. Nach fünftägigen Verhandlungen beschlossen die Minister am Freitag in Brüssel die Fangquoten für 2003, die das Überleben vom Aussterben bedrohter Fischarten sichern sollen. So wird die Quote für Kabeljau in der Nordsee im Vergleich zu 2002 um 45 Prozent gesenkt. Deutschland hatte sich für ein komplettes Fangverbot ausgesprochen. Die EU-Kommission hatte eine Reduzierung um 79 Prozent angestrebt.
Dennoch sprach der zuständige EU-Kommissar Franz Fischler von einem großen Erfolg. Erstmals in der Geschichte der EU sei eine Reform des Fischereisektors und der Gemeinsamen Fischereipolitik gelungen. Sie werde den Fischern zu Gute kommen. "Das und nichts anderes ist es, worum es mir geht", sagte Fischler. Umweltschützer kritisierten die Reduzierung der Fangquoten als unzureichend, während Fischereivertreter vor einer Gefährdung ihrer Existenz warnten.
Nach der Vereinbarung sollen auch die Fangtage der Fischereischiffe reduziert werden. Nordseefischer sollen künftig nur noch neun Tage im Monat zum Kabeljaufang auslaufen. Für den Seehecht gelten ähnliche Regelungen und ebenfalls eine Reduzierung der Fangquote um 45 Prozent. Zu der Einigung gehören außerdem zusätzliche Kontrollmaßnahmen sowie erhöhte Prämien für das Abwracken von Schiffen. Außer beim Kabeljau wurden auch die Fangmengen für Schellfisch und Wittling deutlich reduziert. Nach 2004 sollen auch die öffentlichen Finanzhilfen für den Bau neuer Fangschiffe auslaufen.
Wissenschaftlern zufolge ist der Kabeljaubestand in den nördlichen Gewässern der EU auf dem niedrigsten je gemessenen Stand gesunken. Einige Wissenschaftler hatte daher ein totales Fangverbot gefordert, was die EU-Kommission jedoch mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Situation in den Küstenregionen vermieden hatte. "Das ist der Todesstoß für den Kabeljau", kommentierte Fischereiexpertin Heike Vesper von der internationalen Umweltschutzorganisation WWF die Entscheidung.
Nach Angaben der EU-Kommission gab es Anfang der siebziger Jahre in den EU-Gewässern rund 90 Prozent mehr ausgewachsene Fische als Ende der neunziger Jahre. Der Kabeljaubestand in der Nordsee nahm in den vergangenen 20 Jahren um 60 Prozent ab. Heute gibt es in der Union knapp 100.000 Fischereifahrzeuge. Im EU-Fischereisektor sind insgesamt mehr als 500.000 Menschen beschäftigt. Spanien hat die größte Flotte in der Union mit 17.500 Booten.
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