Investment-Skandal: Milliardenstrafe für US-Banken
- Klarere Trennung von Analyse und Banking
Wegen mutmaßlich irreführender Anlagetipps haben die führenden US-Investmentbanken einer Milliardenstrafe zugestimmt. Zehn der größten Investmentbanken an der Wall Street haben mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer und anderen US-Aufsichtsstellen in einem rund 1,4 Milliarden Dollar (1,365 Mrd. Euro) schweren Vergleich die Beseitigung von Interessenkonflikten zwischen Analysten und Investmentbankern sowie den Verzicht auf irreführende Aktienempfehlungen vereinbart. Beobachter sprachen vom größten Einschnitt in die Praxis der Wall Street seit den 30er Jahren. Vor allem Kleinanleger sollen nun besser geschützt werden.
Spitzer gab die Vereinbarung mit den Wall-Street-Firmen am Freitag in New York auf einer Pressekonferenz bekannt. Eine Einigung sei auch darüber erzielt worden, dass die Investmentbanken ihre Praxis einstellen, bei Börsengängen wichtigen Kunden Aktien zuzuteilen, die kurz danach mit Gewinn verkauft werden könnten.
Die Citigroup zahlt 400 Millionen Dollar, Credit Suisse First Boston und Merrill Lynch steuern jeweils 200 Millionen Dollar bei. Goldman Sachs soll 110 Millionen Dollar zahlen, Morgan Stanley 125 Millionen Dollar. Lehman Brothers, J.P. Morgan, Bear Stearns, UBS Warburg sowie die Deutsche Bank tragen jeweils 80 Millionen Dollar bei, berichtete die US-Wirtschaftsagentur Bloomberg.
In Zukunft soll es eine Trennung zwischen den Analysten und Investmentbankern der Wall-Street-Firmen geben. Analysten dürfen ihren Firmen nicht mehr helfen, lukrative Investmentbankaufträge zu gewinnen. Die Investmentbanker dürfen keinen Druck mehr auf Analysten ausüben, um sie in ihren Aktienanalysen zu beeinflussen. Die Investmentbanker dürfen auch nicht mehr an Diskussionen über die Bezahlung von Analysten teilnehmen.
Mit dem Vergleich erreicht die mehr als eineinhalb Jahre lange Untersuchung Spitzers über die Missbräuche an der Wall Street ihren Abschluss. Spitzer bemängelte den früheren Mangel an Integrität an der Wall Street und die weit reichenden Interessenkonflikte bei erteilten Ratschlägen. Die Zusammenführung analytischer und Investmentbank-Funktionen habe zu den Problemen geführt.
Die Interessenkonflikte waren während der langen Hausse gegen Ende der neunziger Jahre nicht ans Licht gekommen, weil die Anleger den euphorischen Empfehlungen der Analysten bedenkenlos glaubten. Diese machten teilweise hausintern Aktien sehr schlecht, die sie den eigenen Kunden dann weiter zum Kauf empfahlen. Die Wall-Street-Firmen holten sich auch in großem Stil Investmentbankaufträge herein, indem sie ihre Analysten zu positiven Aktienbewertungen veranlassten. Einige Investmentbanken teilten Bossen von Firmen, deren Aktien und Anleihen sie an die Börse bringen wollten, bei Erstemissionen Aktien zu sehr niedrigen Kursen zu.
Seit März 2000 hat die dramatische Baisse die Investoren acht Billionen Dollar gekostet, und die Interessenkonflikte der Wall-Street-Firmen wurden durch die Untersuchung Spitzers offenkundig. Inzwischen laufen auch zahlreiche Aktionärsklagen. Diese sind von der Strafe nicht berührt.
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