Ungewissheit über Zukunft d. Fiat-Partnerschaft mit GM
- Verhandlungen über Put-Option rücken näher
- Fiat verkauft GM-Anteil für 1,16 Milliarden Dollar
Nachdem Italiens krisengeschüttelter Automobilkonzern Fiat der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch seine gesamte Beteiligung an General Motors (GM) verkauft hat, wächst die Ungewissheit über die Zukunft der Partnerschaft der Turiner Gruppe mit dem Autoriesen aus Detroit. Der Verkauf der 32,05 Mio. GM-Aktien zu einem Gesamtpreis von 1,16 Mrd. Dollar (1,131 Mrd. Euro) werde sich nicht auf die industrielle Beziehung zwischen Fiat und GM auswirken, versicherte Fiat, doch Analysten sind fest davon überzeugt, dass es bald zu weiteren Neuigkeiten in der Partnerschaft zwischen den beiden Konzernen kommen wird.
GM hält seit dem Jahr 2000 eine 20-prozentige Beteiligung an Fiat. Für das Aktienpaket hatte der US-Konzern 2,4 Mrd. Dollar ausgegeben. Fiat steht im Jahr 2004 die Option offen, seine Autosparte an GM zu verkaufen. Diese Put-Option lastet wegen des schlechten Zustands des Turiner Gruppe wie ein Damoklesschwert über dem amerikanischen Autogiganten. Bereits in den nächsten Wochen könnte es zu Verhandlungen über diesen heiklen Punkt kommen, kommentierten italienische Analysten.
General Motors will Druck auf Fiat ausüben, um eine Verschiebung der Option um einige Jahre zu erhalten. In dieser Zeitspanne könnte Fiat die Autosparte sanieren, was die Übernahme durch GM zu einem gewinnbringenderen Geschäft machen würde. Als Alternative könnte Detroit Fiat vorschlagen, die Put-Option in eine Finanzierung umzuwandeln, was der Turiner Gruppe in dieser schwierigen Phase äußerst gelegen käme.
Fest steht, dass der Verkauf des GM-Anteils Fiat eine lebensnotwendige Finanzspritze gewährt und der Gruppe ermöglicht, bis Ende 2002 wie geplant die Verschuldung unter die Schwelle von 3 Mrd. Euro zu drücken. Die Halbierung der Verschuldung von 6,6 Mrd auf 3 Mrd. Euro ist ein Eckpfeiler im Abkommen, das Fiat mit den Gläubigerbanken im Mai abgeschlossen hatte.
Nun kann Fiat die Veräußerung nicht-strategischer Beteiligung mit größerer Ruhe vorantreiben. Der Konzern plant demnächst den Verkauf der in der Flugbranche aktiven Tochter Fiat Avio sowie der Versicherungsgesellschaft Toro. Die finanzielle Lage des Konzerns erlaubt dem Fiat-Management nun, bessere Verkaufsgelegenheiten zu suchen.
Nach dem Verkauf des GM-Aktienanteils verlangen die Gewerkschaften Klärungen über die künftige Strategie des Unternehmens. Der Chef des Arbeitnehmerverbands Cisl, Savino Pezzotta, rief das Fiat-Management zu einer Neuaufnahme der Verhandlungen um die Zukunft der Autosparte auf. Die Gespräche waren vor zwei Wochen abgebrochen worden, nachdem sich Fiat geweigert hatte, auf die Streichung von 8.100 Arbeitsplätzen zu verzichten. Anfang Dezember stellte der Konzern 5.600 Personen dienstfrei.
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