Verbände treten gegenüber Politik geschlossener auf
- "Kleine" ziehen mit "Elefanten" an einem Strang
- Sportministerium und Sportmilliarde als Forderungen

Der Schulterschluss der Verbände für einen höheren Stellenwert des österreichischen Sports in der bald neu organisierten heimischen politischen Landschaft wird immer größer. Am Mittwoch waren bei einer Pressekonferenz im "Haus des Sports" in Wien nicht nur wie bisher die "Elefanten" Ski- (ÖSV) und Fußball-Verband (ÖFB) bzw. der von Anfang an für die Sache engagierte Volleyball-Verband (ÖVV), sondern auch etliche kleinere mehr auf Amateurbasis arbeitende Verbände präsent.
Als Kernpunkte des Forderungskatalogs an die politisch Führenden wurden von Franz Löschnak, als Präsident der Bundes-Sportorganisation (BSO) Gastgeber des einberufenen Meinungsforums, drei Themen forciert: "Wir wollen ein eigenes Sportministerium, eine erste Annäherung der Sport- an die Kulturmittel durch die Sportmilliarde (Anm.: in Schilling) und dass der Sport auch in der öffentlichen Hand jenen Stellenwert bekommt, den er in der Bevölkerung schon hat. Der Sport muss wirtschaftlich und sozialpolitisch anerkannt werden."
Regierung soll sich zum Sport bekennen
Theodor Zeh, der als Vorsitzender des BSO-Fachrates und des ÖOC-Sommersportausschusses eine Schlüsselfunktion inne hat, ging noch weiter und forderte ein Bekenntnis der Regierung zum Sport ein. "In der Regierungserklärung muss drinnen sein, dass uns alle Ministerien unterstützen. Auch darf man sich nicht in die Individual-Förderung flüchten und die Geld-Vergabe an eine Zweckwidmung binden." Für Zeh muss gewährleistet sein, dass die Verbände autonom über die in den Spitzensport fließenden Mittel verfügen können.
Geld für gute Arbeit
Anders liegen die Dinge laut allgemein geäußerter Ansicht im Breitensport. "Hier braucht man die Politik und die Rahmenbedingungen", meinte etwa ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Für ihn ist aber auch wichtig, dass die Verbände für ihre Ausbildungsarbeit entschädigt werden. "In Deutschland bekommt ein Verband Geld dafür, wenn er gut arbeitet. Ich würde gerne sehen, dass, wenn ein Politiker einem Sportler eine Medaille umhängt, er auch gleich einen Scheck mit überreicht", sagte Schröcksnadel.
ÖFB-Präsident gibt sich angriffslustig
+Mit dem Rückenwind der EM-Vergabe an Österreich und die Schweiz gab sich auch ÖFB-Präsident Friedrich Stickler besonders angriffslustig. "Das Verhältnis von Sport und Kultur stimmt einfach nicht. Aber sicher ist das ein langwieriger Prozess, dass sich die beiden Budgets einander angleichen. Das geht nicht in einem Jahr und nicht in einer Legislatur-Periode." Stickler wies aber darauf hin, dass man jeden Euro, den man in den Sport steckt, über Einsparungen im Gesundheitswesen doppelt zurück bekommt.
Sportlehrer in der Volksschule
Auf diese Schiene setzt auch ÖVV-Präsident Peter Kleinmann. Er fordert schon in der Volksschule eigene Sportlehrer, generell in der Schule die tägliche Sportstunde, die Wiedereinführung des Schulskikurses und parallel dazu eine Sommersportwoche. "Der Sport muss vom Bittsteller zum Forderer werden. Deswegen ist es wichtig, dass Ski und Fußball als die großen Verbände den kleinen so helfen. Ohne ÖFB, ÖSV und BSO wäre dieses gemeinsame Vorgehen so nicht möglich", erklärte Kleinmann.
"Immer und immer wieder"
Weiters waren u.a. Vertreter des Verbandes Österreichischer Schwimm-Vereine (VÖS), des Leichtathletik-Verbandes (ÖLV), des Handball-Verbandes (ÖHB), des Radsport-Verbandes (ÖRV), des Tischtennis-Verbandes (ÖTTV), des Amateurringer-Verbandes (ÖARV) und des Eiskunstlauf-Verbandes (ÖEV) anwesend. Als nächsten Schritt kündigte Löschnak die Kontaktierung aller Klubobleute bzw. Parteichefs der Parlamentsparteien an: "Wir werden ihnen wieder unsere Forderungen näher bringen. Immer und immer wieder."
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