Dienstag, 17. Dezember 2002

Europa verliert WM-Startplatz

  • Mayer-Vorfelder: "So geht's nicht weiter"
  • Linsi neuer FIFA-Generalsekretär

Schwere Schlappe für Europa und Südamerika, Triumph für Urs Linsi: Während der Schweizer Finanzexperte vom Exekutiv-Komitee der FIFA zum Generalsekretär berufen wurde, endete die Vergabe der Startplätze für die WM 2006 in Deutschland mit einer Pleite für die führenden Kontinentalverbände. Die Europäer werden nur noch 14 Teams stellen, wobei die deutsche Mannschaft als Gastgeber gesetzt ist. Seit der Aufstockung des WM-Starterfeldes auf 32 Teams 1998 in Frankreich war die UEFA stets mit 15 Teams am Start.

"So kann es nicht weitergehen. Ständig wird auf die Verbände losgegangen, die die meisten Startplätze haben", kommentierte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder enttäuscht die Abstimmungs-Niederlage, bei der es im Raum "Real" im Madrider Nobelhotel Ritz zwischen den 24 Delegierten hoch her gegangen sei. "Es war sehr umstritten, am Ende gab es eine Kampfabstimmung." Immerhin wurden die Europäer mit ihrer Forderung nach einem neuen Vergabesystem gehört. Künftig soll nur noch ein Teil der WM-Plätze durch Quoten für die Kontinentalverbände vergeben werden. Daneben soll das Abschneiden bei der WM mitentscheidend für die endgültige Vergabe sein. "Eine Möglichkeit wäre, dass jeder Viertelfinalist automatisch einen Startplatz für seinen Verband sichert", sagte Mayer-Vorfelder. Eine Kommission soll nun Lösungsvorschläge ausarbeiten, die aber erst für die WM 2010 in Afrika zur Geltung kommen können.

Brasilien muss in die Quali
Schlimmer als Europa erwischte es den südamerikanischen Verband. Einerseits wurde das Kontingent der Südamerikaner von 4,5 auf 4 reduziert. Zum zweiten ist Brasilien als Titelverteidiger erstmals nicht mehr automatisch qualifiziert. Faktisch verlieren die Südamerikaner damit ein Drittel ihres Kontingents. Die großen Gewinner waren die Kleinen. Der Verband Ozeaniens, dessen Vertreter bisher stets ein Relegationsspiel gegen ein Team von einem anderen Kontinent bestreiten musste und zum letzten Mal 1982 (Neuseeland) nicht verlor, erhält zum ersten Mal einen Garantieplatz. Asien (4,5) bekam angesichts der WM-Erfolge von Südkorea und Japan einen Startplatz zusätzlich, Nord- und Mittelamerika (CONCACAF/3,5) immerhin einen halben Platz. Zweitstärkster Kontinentalverband bleibt Afrika mit unverändert fünf Endrunden-Teilnehmern.

Quali-Fixplatz für Ozeanien
Im Vorfeld der Gala des Internationalen Fußball-Weltverbandes (FIFA) ist bekannt geworden, dass Ozeanien einen Fixplatz in der WM-Qualifikation 2006 erhält. Dies bestätigte ein FIFA-Sprecher. Bisher hatte der Sieger der Ozeanien-Quali immer ein Playoff entweder mit einem südamerikanischen oder asiatischen Vertreter bestreiten müssen.

Die Aufteilung
Damit werden an der WM in Deutschland 14 europäische Teams (13 Qualifizierte plus Gastgeber-Mannschaft), fünf aus Afrika, je vier aus Asien und Südamerika, drei des CONCACAF-Verbandes (Nord-, Mittelamerika und Karibik) sowie eine aus Ozeanien teilnehmen. Den 32. und letzten Platz spielen sich im Playoff eine asiatische Mannschaft und ein CONCACAF-Team aus. Erstmals muss sich auch der Titelverteidiger (Brasilien) für eine WM-Endrunde qualifizieren.

Linsi neuer FIFA-Generalsekretär
Harmonisch und unumstritten verlief die Entscheidung über den neuen Generalsekretär, bei der FIFA-Präsident Joseph Blatter seinen Vertrauten Linsi mühelos durchbrachte. Per Akklamation wurde der 53-jährige Leiter der Finanzdirektion, der nach der Entlassung des aufmüpfigen Michel Zen-Ruffinen im Sommer das Generalsekretariat bereits interimsmäßig geleitet hatte, zur festen Lösung befördert.

Der Blatter-Clan
"Ich freue mich, dass das Exekutivkomitee meinem Vorschlag gefolgt ist und Linsi im Amt bestätigt hat. Er hat in den vergangenen sechs Monaten seine Fähigkeiten überall unter Beweis gestellt, nicht nur in seinem angestammten Bereich, sondern auch bei der Restrukturierung des Generalsekretariats", kommentierte Blatter die weit reichende Entscheidung. Denn die Installation des als fachlich unumstritten und ausgesprochen loyal geltenden Linsi dürfte nur der erste Schritt sein auf dem Weg, Blatters privates Beraterteam mit offiziellen Ämtern zu bekleiden. Demnach ist das Öffentlichkeits-Direktorium für Markus Siegler reserviert, Marketing-Spezialist Guido Tognoni soll Wettbewerbsdirektor werden. Diese Posten werden nicht von der FIFA-Exekutive, sondern vom Generalsekretär in Abstimmung mit dem FIFA-Präsidenten vergeben.

17.12.2002 14:54