Nordkorea entsiegelt Atomanlagen
- IAEO-Überwachungskameras entfernt
- USA, Japan und Südkorea protestieren
Nordkorea hat in seinen Atomanlagen Versiegelungen und Überwachungskameras der Vereinten Nationen entfernt. Pjöngjang habe mit den Maßnahmen begonnen, um eine normale Stromproduktion zu ermöglichen, meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) habe auf eine Anfrage in diesem Monat, die Überwachungsanlagen und Siegel an der Anlage zu entfernen, nicht reagiert und damit Nordkorea veranlasst, selbst die Initiative zu ergreifen.
Die in Wien ansässige IAEO hatte bereits am Samstag von dem Vorgehen berichtet. IAEO-Chef Mohammed el Baradei bekundete sein "tiefes Bedauern" über das Verhalten Pjöngjangs. In einem Brief an den Chef der nordkoreanischen Atomenergieabteilung, Ri Je Son, rief Baradei das ostasiatische Land zur Zurückhaltung auf. Ein Sprecher der IAEO sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Nordkorea habe die Überwachungsanlage am Reaktor Yongbyon so manipuliert, dass die Behörde die Vorgänge in der Anlage nicht mehr überwachen könne, und zudem die meisten Siegel entfernt.
Ein Sprecher des US-Außenministeriums forderte die nordkoreanische Regierung auf, die Anlage Yongbyon und die weiteren Atomanlagen nicht wieder in Betrieb zu nehmen. Japan nannte Nordkoreas Vorhaben "bedauerlich" , man sei in "tiefer Sorge" über das Vorgehen. Die Regierung in Tokio rief Nordkorea auf, den Dialog mit der IAEO und der UNO wieder aufzunehmen. Aus südkoreanischen Regierungskreisen verlautete, das Land werde den diplomatischen Druck auf sein Nachbarland erhöhen.
Der Reaktor mit einer Leistung von fünf Megawatt war 1994 als Teil eines Abkommens mit den USA abgeschaltet worden. Nordkorea hatte sich damals verpflichtet, sein Atomprogramm einzustellen. Im Gegenzug hatten die USA dem Land kostenlose Heizöllieferungen von 500.000 Tonnen Schweröl pro Jahr und Hilfe beim Bau zweier Leichtwasserreaktoren zur zivilen Nutzung zugesagt. Nach Abschluss des Abkommens wurden außer Yongbyon vier weitere nordkoreanische Atomanlagen von der IAEO versiegelt und mit Überwachungskameras ausgestattet.
Nach US-Angaben hatte Nordkorea Anfang Oktober eingestanden, dass es entgegen dem Abkommen von 1994 angereichertes Uran entwickle. Dies kann zur Herstellung von Atomwaffen benützt werden. Als Reaktion stoppten die USA ihre Heizöllieferungen an Nordkorea, das daraufhin ankündigte, zur Stromerzeugung den Reaktor Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen. Zugleich forderte die Regierung in Pjöngjang die IAEO auf, die Versiegelungen an den Nuklearanlagen zu entfernen oder sie andernfalls selbst abzunehmen. Die staatliche Agentur KCNA betonte am Sonntag wieder, dass die Aktion nichts mit einem Atomwaffenprogramm zu tun habe, sondern der Stromerzeugung diene.
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