Samstag, 21. Dezember 2002

Mehrere Tote bei Absturz von ISAF-Hubschrauber

  • Mindestens sieben deutsche Soldaten getötet
  • Kabul: Ursache vermutlich technische Probleme

Beim Absturz eines deutschen Hubschraubers der internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) sind am Samstag in Kabul mehrere Menschen, davon zumindest sieben deutsche Soldaten getötet worden. Dies teilte der Polizeisprecher von Kabul, Bashir Salangi mit. Ein Abschuss wird ausgeschlossen.

Bei den zwei weiteren Todesopfern handle es sich um Kinder. Augenzeugen sprachen von bis zu 14 Toten. ISAF-Sprecher Major Gordon Mackenzie sagte, vermutlich seien technische Probleme für den Absturz verantwortlich. Auf den Hubschrauber, der etwa zwei Kilometer vom Flughafen entfernt abstürzte, sei nicht geschossen worden. Im Osten Afghanistans ist unterdessen ein US-Soldat bei einem Gefecht getötet worden.

Feuer an Board
Ein Augenzeuge im Osten der afghanischen Hauptstadt sah Feuer an Bord des Hubschraubers. "Ich schaute hinauf und sah Feuer am Hubschrauber und dann drehte er nach links und stürzte zwischen die Gebäude", sagte Mohammed Musa. Er habe jedoch nicht gesehen, dass auf den Hubschrauber geschossen worden sei. ISAF-Soldaten riegelten das Absturzgebiet ab.

Ein Helfer berichtete vom Abturzort, er habe eigenhändig vier Leichen weg getragen und acht weitere Leichen gesehen sowie zwei tote Kinder, die anscheinend von dem Hubschrauber erschlagen worden seien. Der deutsche ISAF-Sprecher Andreas Steffan sagte, es sei nicht klar, wie viele Menschen an Bord gewesen seien, aus welchem Land sie stammten und wie viele ums Leben gekommen seien.

Bei dem abgestürzten Hubschrauber handelt es sich um eine Maschine der deutschen Bundeswehr, wie das Berliner Verteidigungsministerium erklärte. Ein Sprecher sagte, bei der abgestürzten Maschine handle es sich um eine Sikorsky CH-53 der Heeresflieger. Die Schutztruppe mit Soldaten aus 22 Nationen ist für die Sicherheit in der Hauptstadt Kabul und Umgebung zuständig. Deutschland soll gemeinsam mit den Niederlanden im Februar das ISAF-Kommando übernehmen, das zurzeit von der Türkei geführt wird. Erst im März waren bei der Entschärfung einer älteren sowjetischen Flugabwehrrakete zwei deutsche und drei dänische Soldaten ums Leben gekommen und fünf Deutsche und drei Dänen verletzt worden.

US-Patrouille unter Beschuss
Wie die US-Armee auf dem Stützpunkt Bagram mitteilte, kam eine US-Einheit am Samstag auf Patrouille in der Provinz Paktika unter feindlichen Beschuss. US-Truppen suchen im Osten und Nordosten Afghanistans nach El-Kaida- und Taliban-Kämpfern. Bei dem Gefecht sei ein Soldat verwundet worden und später während einer Operation in einem Lazarett seinen Verletzungen erlegen. Der Zwischenfall ereignete sich gegen 04.00 Uhr morgens, teilte die US-Armee mit. Es handelt sich um den ersten US-Soldaten seit Mai, der im Kampf in Afghanistan umgekommen ist. Insgesamt kamen bisher 15 Soldaten ums Leben.

21.12.2002 15:16