Liberaler Roh gewinnt Präsidentenwahl in Südkorea
- Verfechter der Aussöhnungspolitik gegenüber Nordkorea siegt
- TV-Berichte sehen Roh vor Herausforderer Lee Hoi Chang

Der Menschenrechtsaktivist Roh Moo Hyun hat nach ersten Fernsehberichten die Präsidentenwahl in Südkorea gewonnen. Der 56-jährige Kandidat der Demokratischen Millenniumspartei von Staatspräsident Kim Dae Jung habe die meisten Stimmen erhalten, berichteten drei Fernsehsender in Seoul. Sie stützten sich dabei auf Nachwahlbefragungen.
Politische Beobachter hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Roh Moo Hyun und dem konservativen Lee Hoi Chang von der Großen Nationalpartei erwartet. Roh will den von Friedensnobelpreisträger Kim Dae Jung eingeschlagenen Weg der Aussöhnung mit Nordkorea ("Sonnenschein-Politik") fortsetzen, während sein Konkurrent Lee für einen harten Kurs gegenüber Pjöngjang eintritt.
Wichtige Richtungswahl
Die Präsidentenwahl war eine Richtungswahl, bei der es darum ging, ob der Süden im Umgang mit dem kommunistischen Norden weiter auf Wandel durch Annäherung setzt oder wieder auf Abgrenzung. Der frühere Richter am Obersten Gerichtshof Lee Hoi Chang von der konservativen Großen Nationalpartei hält die "Sonnenschein-Politik" des scheidenden Staatspräsidenten, Friedensnobelpreisträger Kim Dae Jung, für gescheitert und unterstützt den harten Kurs von US-Präsident George W. Bush gegen Pjöngjang. Kim Dae Jungs Parteifreund Roh Moo Hyun vertrat den Standpunkt, es gebe es keine Alternative zur Entspannung. Er will den Versöhnungskurs seines Amtsvorgängers konsequent fortsetzen.
Roh lag bis zuletzt aussichtslos zurück
Der Rechtsanwalt Roh Moo Hyun fordert einen Dialog mit Pjöngjang. Bis zum vergangenen Monat lag Roh in den Umfragen abgeschlagen auf dem dritten Platz. Er übernahm die Führung, nachdem er sich die Unterstützung des Präsidenten des südkoreanischen Fußballverbandes, Chung Mong Joon, gesichert hatte. Einen Tag vor der Wahl musste Roh jedoch einen herben Rückschlag hinnehmen: Chung entzog ihm die Unterstützung. Zur Begründung sagte Chungs Sprecherin, Roh habe in einer Wahlkampfrede eine unangemessene Bemerkung über einen möglichen US-Angriff auf Nordkorea gemacht. "Falls die USA und Nordkorea einen Krieg beginnen, könnten wir hineingezogen werden", sagte Roh nach Angaben der Sprecherin. Chung glaube jedoch, dass es keinen Grund für die USA gebe, gegen Nordkorea Krieg zu führen.
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